Lassen sich auch Düfte minimalisieren?

scent-1059419_1920Diese Frage überkam mich neulich, als ich mich von meinem Parfum trennte. Bis vor kurzem standen noch drei kleine Flakons in meinem Bad. Und so wie all die anderen Dinge, die ich nicht brauchte, riefen sie ein zunehmend unangenehmes Gefühl in mir hervor. Ihr Anblick erinnerte mich ständig daran, dass ich mal wieder unnötig viel Geld für etwas ausgegeben habe, das ich nicht brauchte. Nun habe ich es einfach verschenkt und jemand anderem eine Freude damit bereitet.

Können wir etwas intensiv erleben, dass im Überfluss vorhanden ist?

Parfum hatte sich werbewirksam als Luxusgut, Liebesbeweis und als einen Teil meiner Identitätsbildung in mein Leben geschlichen. Ich hatte das Gefühl, es besitzen zu müssen, weil es ja so besonders war. Doch eigentlich ließ ich mir nur vorschreiben, was in meinem Leben wertvoll zu sein hatte und ein Stück meines eigenen Ichs damit übertüncht. Eine Zeit lang nutzte ich es so oft, dass ich es irgendwann überhaupt nicht mehr wahrnahm. So ging es mir auch mit all den anderen Düften um mich herum.

Als ich mich von meinem Parfum trennte, ist mir dies ganz besonders bewusst geworden. Während dessen erinnerte ich mich an ein sehr intensives Dufterlebnis, das bereits einige Jahre zurück liegt:

In meiner Studienzeit verbrachte ich drei Monate in Afrika. Dort habe ich bei einer einheimischen Gastfamilie gewohnt. Da das Leben dort noch viel naturverbundener war als bei uns, war ich auch viel weniger von künstlichen Düften umgeben. Die Wäsche wurde noch per Hand gewaschen. Kosmetikprodukte wie Shampoo, Bodylotion oder geschweige denn Parfum konnte sich kaum jemand leisten.

Nach einiger Zeit verblieb in meinem Koffer nur noch ein einziger Pullover, der noch den Duft unseres Weichspülers in sich trug. Wann immer ich Heimweh hatte, zog ich ihn an und sog seinen Duft ganz intensiv und ausschweifend in mich hinein. Er gab mir Vertrautheit in einer fremden Umgebung. Und weil ich so wenig davon hatte, war dieser Duft ganz besonders wertvoll für mich.

So ein intensives Dufterlebnis habe ich lange Zeit darauf nicht mehr erlebt. Und dies lag eindeutig daran, dass ich in meiner Umgebung von viel zu vielen, meist künstlichen, Düften umgeben war. Sie befanden sich zum Beispiel in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Duftkerzen oder Lufterfrischern oder eben in meinem Parfum. Und nicht selten haben sie ein Unwohlsein in mir hervorgerufen, wenn sie zu intensiv waren.

Weniger Düfte, weniger Reize und mehr Ich selbst

Heute ist mir bewusst, dass ich mich auf meiner minimalistischen Reise nicht nur von Dingen, sondern auch von den Düften getrennt habe, die an diesen Dingen hafteten. Statt Duschgel, Shampoo, Spülung und Bodylotion, nutze ich zum Beispiel nur noch Alleppo Seife. Viele Reinigungsmittel habe ich durch Haushaltsessig ersetzt. Ich nutze keinen Weichspüler und besitze auch keine Duftkerzen mehr.

Ich selbst und mein Zuhause sind von viel weniger Duftreizen umgeben, was ich als sehr angenehm und entlastend empfinde. Alles riecht irgendwie so echt, so authentisch. Ich mag den Duft unseres gemeinsamen Lebens, so wie er ist. Ich liebe den Duft von frischer Luft, frischem Kaffee oder frischem Basilikum. Vor allem aber mag ich den Duft meiner Liebsten und sauge ihn regelrecht in mich ein.

Als sehr befreiend empfinde ich es, nicht mehr abhängig von künstlichen Düften, wie zum Beispiel Parfum oder Deo, zu sein. Ich habe nicht mehr das Gefühl, meinen eigenen Körpergeruch damit übertünchen zu müssen, weil ich ohne sie vermeintlich nicht gut riechen würde. Daher habe ich mich nun auch guten Gewissens davon getrennt.

Was du gegen eine Reizüberflutung von Düften tun kannst

Wenn dich dieser Beitrag dazu inspiriert hat, die Anzahl der Düfte in deiner Umgebung zu verringern, dann habe ich einpaar Anregungen für dich. Keine Sorge, du musst dich nicht gleich von all deinem Parfum trennen. Aber ich ermutige dich dazu, es zu hinterfragen. Daher fangen wir auch bei deinem Parfum an.

1. Brauchst du all dein Parfum?

Wie viel Parfum besitzt du? Gehe doch einmal all deine Flakons mit deiner Nase durch. Welche Düfte magst du eigentlich nicht? Welche sind mit negativen Erinnerungen behaftet, zum Beispiel weil du sie von einem längst getrennten Partner bekommen hast? Welche Düfte riechen bereits nicht mehr so gut, weil sie schon ewig bei dir rumstehen? Verschenke oder entsorge sie anderweitig. Beschränke dich nur noch auf deine Lieblingsdüfte. Du wirst merken, wie wertvoll sie für dich sind, je weniger du davon besitzt.

2. Brauchst du all deine Körperpflegeprodukte?

Brauchst du tatsächlich all deine Körperpflegeprodukte? Ich habe zum Beispiel gemerkt, dass ich eigentlich kein Peeling, keine Maske, kein Bodylotion usw. brauche. Schaue in deinem Badezimmer nach, wie viele und was für Körperpflegeprodukte du hast. Worauf kannst du am Ehesten verzichten? Brauche es auf und ersetze es nicht wieder. Dann wirst du merken, ob es dir wirklich fehlt. Du könntest auch auf umparfümierte Naturprodukte umsteigen.

3. Brauchst du all deine Reinigungsmittel?

Man braucht tatsächlich nicht für alle Gegenstände oder Flächen ein eigenes Reinigungsmittel. Daher kannst du sie beruhigt reduzieren. Wirf einen Blick in deinen Putzschrank. Welche Reinigungsprodukte benutzt du regelmäßig? Ich bin mir sicher, dass es nur ganz wenige sind. Verschenke den Rest, brauche es auf oder entsorge es im Hausmüll, wobei ich das Verschenken ganz klar bevorzuge. Derjenige, der es verwendet, braucht dann erstmal kein neues mehr zu kaufen. Ich verwende zum Putzen fast nur Haushaltsessig. Der Essiggeruch verfliegt sehr schnell. Am Anfang war es ziemlich ungewohnt, dass meine Wohnung nach dem Putzen nicht mehr nach irgendwelchen Ozean- oder Fruchtdüften roch. Es riecht jetzt einfach nur noch sauber. Und das ist für mich das Wichtigste.

4. Brauchst du wirklich Weichspüler?

Ich verzichte bereits seit vielen Jahren auf Weichspüler und bereue es bis heute nicht. Zwar ist unsere Wäsche wirklich etwas härter. Aber daran haben wir uns sehr schnell gewöhnt. Den Duft unseres Weichspülers mochte ich eigentlich sehr gern, vermisse ihn aber nicht, weil ich es mittlerweile genieße, wenn Dinge einfach so riechen wie sie nun mal riechen. Der Hauptgrund unseres Verzichts ist aber, die schädigende Wirkung auf Mensch und Umwelt.

5. Welcher Duft liegt sonst noch in der Luft?

Brauchst du tatsächlich Duftkerzen, Raumsprays, Lufterfrischer oder Wunderbäume? Brauchst du Erfrischungssprays für deine Textlilien? Gehe einfach mal durch deine Wohnung. Gibt es Düfte, die dir zu penetrant sind? Versuche doch mal, die Düfte, die sich sonst noch in deiner Wohnung befinden, zu reduzieren. So entlastest du nach und nach deinen Geruchssinn, weil er unterbewusst nicht mehr permanent beansprucht wird.

Die eigene Umgebung bewusst mit dem Geruchsinn wahrzunehmen, gehört für mich zu einem bewussten Leben dazu. Schöne und angenehme Dufterlebnisse lassen mich den Moment genießen und entlasten all meine anderen Sinne. Denn oft schließe ich dabei einfach nur meine Augen.

Hast du auf deiner minimalistischen Reise ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder hast du Tipps, wie sich Düfte noch weiter reduzieren lassen? Dann schreib mir deine Erfahrungen gerne in die Kommentare.

 

 

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