Gutes tun – Wohin mit der alten Brille?

faith-1053104_1920Diese Frage habe ich mir gestellt, als wir neulich beim Optiker waren, um eine neue Brille für das kleine Fräulein Wunderbar abzuholen. Bisher habe ich mir nie wirklich Gedanken darum gemacht. Meist behielt ich meine Brillen solange, bis sie defekt waren.

Da das kleine Fräulein Wunderbar aber wachstumsbedingt öfters eine neue Brille benötigen wird, fragte ich – aus einer rein minimalistischen Neugier heraus – einfach mal nach. Mir graute nämlich vor dem Gedanken, dass sich in einer unserer Schubladen etliche Brillen ansammeln würden wie zum Beispiel alte Handys, die wir aufgrund des hohen Anschaffungspreises und der Bedeutung, die diese Dinge in unserem Alltag mal hatten, nicht loslassen können.

Die Antwort der Optikerin gefiel mir wahnsinnig gut. Denn allein wäre ich zu meiner Beschämung niemals darauf gekommen. Sie empfahl uns, eine Brille immer als Ersatz zu behalten. Wenn wir sie dann später wirklich nicht mehr bräuchten, könnten wir sie dann einfach wieder bei ihr abgeben, weil sie sie für bedürftige Menschen, vorwiegend in Entwicklungsländern, sammeln und spenden würden.

Natürlich! war mein erster Gedanke. Was für eine tolle Idee! Niemals hätte ich daran gedacht, eine alte Brille zu spenden. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass es irgendjemanden gibt, der etwas damit anfangen konnte – mal wieder nicht über den Tellerrand hinaus gedacht.

Gleichzeitig wurde mir erneut vor Augen geführt, wie gut es uns eigentlich geht, ohne, dass es uns bewusst ist. Eine Brille ist in unserer Gesellschaft etwas ganz Selbstverständliches. Jeder von uns hat die Möglichkeit, bei einer Sehschwäche zum Arzt zu gehen und sich eine Brille verschreiben zu lassen. Beim Optiker dürfen wir uns sogar eine aussuchen, die unseren optischen Ansprüchen entspricht. Eine Brille ist heute weit mehr als eine Sehhilfe. Sie ist in den letzten Jahrzehnten sogar zu einem Modeaccessoire avanciert – eben, weil wir es uns leisten können.

Vor allem hilft sie uns aber, unsere Sehschwäche zu korrigieren und eröffnet uns damit Möglichkeiten, die uns ohne Brille verwehrt gewesen wären. Was wäre ich bloß ohne meine Brille? Undenkbar! Hätte ich überhaupt lesen gelernt oder geschweige denn die Schule beendet? Beruflich hätte ich mich womöglich auch einschränken müssen. Und all die schönen Bücher, die es auf der Welt gibt. Ich hätte sie niemals ergründen können. Meine Welt wäre ohne Brille definitiv etwas kleiner.

Was bedeutet so eine Brille dann für einen Menschen, den es sowieso an jeglicher medizinischer Versorgung mangelt? Für ihn sind Brillen ein absolutes Luxusgut, den sich nur die wenigsten leisten können. Die meisten müssen ihre Sehschwäche mit allen Einschränkungen, die diese mit sich bringt, einfach hinnehmen, ohne jemals etwas daran ändern zu können.

Aber wir können etwas ändern!

Und zwar ganz einfach, schnell und nachhaltig. Jeder kann mit einer alten Brille, die er sowieso nicht mehr braucht, etwas Gutes tun. Wir können einem anderen Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen. Das ist für mich die wunderbarste Seite des Minimalismus: Überflüssige Gegenstände so zu verteilen, dass sie das Leben eines anderen verbessern, anstatt auf dem Müll zu landen oder unsere Wohnungen vollzustopfen. Geben kann in meinen Augen nicht schöner sein.

Hier kannst du deine Brille abgeben:

Frage einfach mal bei deinem Optiker nach, ob er alte Brillen sammelt und spendet. Das ist die einfachste Möglichkeit, diese sinnvoll zu entsorgen.

Ansonsten kannst du deine Brillen auch bei Brillen ohne Grenzen einsenden. Hierbei handelt es sich um eine deutsch-französische Kooperation, die sich darauf spezialisiert hat, Menschen weltweit dabei zu helfen, wieder besser zu sehen. Sie nehmen Brillenspenden an, säubern oder reparieren sie und geben sie dann kostenlos weiter. Brillen, die nicht mehr verwendet werden können, fungieren als Ersatzteillager. Es wird bis zur letzten Schraube alles weiter verwendet.

Ein ganz tolles Projekt, dass ich euch ebenfalls vorstellen möchte, ist das One-Dollar-Glasses-Projekt des deutschen Lehrers Martin Aufmuth. Sein Ziel ist es, Menschen in den ärmsten Ländern der Welt mit günstigen Brillen zu versorgen. Dafür entwickelte er die Ein-Doller-Brille und die dazu gehörige Brillenmaschine, die von Einheimischen bedient werden kann. So verhilft er nicht nur Menschen dabei, kostengünstig an eine Brille zu gelangen, sondern er schafft auch neue Arbeitsplätze. Absolut nachhaltig und unterstützenswert finde ich!

Einen aktuellen Artikel über das One-Doller-Glasses-Projekt findest du hier.

Wenn du jemanden kennst, der noch eine Brille zu vergeben hat, dann teile diesen Beitrag doch bei Facebook, Twitter und Co. Die meisten werden sich sicherlich darüber freuen, wenn sie mit ihrer alten Brille noch etwas Gutes bewirken können.

 

 

This Post Has Been Viewed 6,445 Times

7 thoughts on “Gutes tun – Wohin mit der alten Brille?

  1. Handys sollte man aber auch spenden, weil die Rohstoffe darin wiederverwertet werden können und so z.B. der Lebensraum der Affen nicht weiter gerodet werden muss.

  2. Da hüpft mein OptikerHerz doch gleich ein Stück höher.
    Danke für den Artikel. Ich habe selbst solche Brillen in meiner aktiven Zeit als Optiker gesammelt, gereinigt, und weitergegeben. Auch das zweite Projekt ist eine unglaublich tolle Initiative.

    Ich werde deinen Beitrag in den nächsten Tagen via FB teilen

    Liebe Grüße

    Michael

    1. Oh vielen Dank Michael. Ich habe während des Schreibens auch an dich denken müssen und habe mir gedacht, dass du das Spenden von Brillen sicherlich kennst ☺️

  3. Hey Huong,

    mega gute Idee! Toll, dass du das gemacht hast und auch noch davon erzählst, damit es noch mehr Menschen nachmachen können!

    Ich bin kein Brillenträger, aber ich habe vor einigen Wochen die alten Beinprothesen meines Opas (er ist schon vor Jahren gestorben und meine Oma hatte sie aufgehoben) ins Auto gepackt und ein mal quer durch Deutschland mitgenommen. Der Vater meiner Freundin organisiert nämlich regelmäßig Transporte von solchen Dingen, auch Spielzeug etc. nach Afrika. Er arbeitet dort mit Organisationen zusammen und sorgt unter anderem auch für (spenden-finanzierte) wichtige OPs und Infrastruktur in Form von Brunnen, Schulen, Nutztieren etc. für kleine Dörfer. Ich finde es echt super was er da leistet und unterstütze das natürlich auch mega gerne!

    Also wenn ihr irgendwelche medizinischen, oder andere halbwegs wertvolle Gegenstände habt, die ihr los werden wollt, hört euch doch mal um wo sowas gesammelt wird! Oft sind das Arztpraxen oder auch Privatpersonen, die sich mit Organisationen für tolle Leistungen einsetzen!

    Liebe Grüße,
    Ronja.

    1. Hi Ronja danke für deinen Kommentar. Das mit der Prothese finde ich echt gut von dir. Diese medizinischen Geräte sind wirklich sehr teuer. Ich bin jetzt auch sensibler für solche Weiternutzungsmöglichkeiten. Liebe Grüße, Huong

  4. Liebe Huong,

    vielen Dank für deinen Beitrag.

    Mein Mann sowie unsere beiden Kinder sind Brillenträger und auch ich bewahren die alten Brillen unserer Kinder auf.
    Erst vor einigen Monaten sollte unser jüngstes Kind eine neue Brille bekommen, weil er wieder etwas gewachsen war und somit seine eigene Brille ihm zu klein wur der

    Spaßeshalber habe ich meinen Mann gefragt, ob die alten Brillen unseres älteren Kindes ihm wohl auch passen würden. Siehe da, jetzt trägt unser jüngstes Kind die Brille unseres Älteren, natürlich mit neuen Brillengläsern.

    Ich fragte mich, ob ich die alten Brillen, für die unser Jüngstes keine Verwendung mehr hat wohl spenden könnte…

    Vielen Dank für deinen tollen Tipp!

Hinterlasse einen Kommentar zu Ronja Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *