Nicht alles, was kaputt ist, muss gleich ersetzt werden


Wir neigen dazu, Dinge, die kaputt sind, gleich gegen etwas Neues zu ersetzen. So ging es mir neulich mit unserem Wäscheständer. Er ist schon sehr alt, steht schief und eine Stange hat sich mittlerweile gelöst. Wenn wir unsere Wäsche aufhängen, müssen wir aufpassen, dass wir ihn richtig belasten, damit er nicht umkippt.

Mein erster Gedanke war, ihn ganz selbstverständlich zu ersetzen. Auch der Anti-Minimalist brachte diesen Vorschlag in letzter Zeit immer vehementer zum Ausdruck. Ich hatte sogar schon online einen gebrauchten entdeckt, der wirklich in einem sehr guten Zustand war – für lediglich 5 EUR. Das ist nun wirklich nicht die Welt würde man meinen. Aber ich zögerte.

Denn es geht mir nicht ums Geld, sondern um die Frage, ob es wirklich nötig ist, etwas wegzuwerfen, was eigentlich noch funktioniert. Kaputt ist ja nicht gleich defekt. Ein Gegenstand kann kaputt sein und trotzdem noch funktionieren, wie zum Beispiel eben unser Wäscheständer. Zwar hat er jetzt einige Mängel, aber er erfüllt seinen Zweck immer noch hervorragend. Daher habe ich beschlossen ihn erst zu ersetzen, wenn er wirklich zusammenbricht. Und die Stange, die sich gelöst hat, könnte man auch provisorisch festkleben.

Zu viel von allem macht verschwenderisch

In einer Welt des Überflusses haben wir uns schlicht und einfach daran gewöhnt, Dinge nicht so lange wie möglich zu nutzen. Wir reparieren nicht, wir denken nicht über kreative Alternativen nach, sondern wir ersetzen sie einfach, ohne uns viele Gedanken darüber zu machen  – weil wir es können, weil es nicht viel kostet, weil es normal ist. Und was sind schon 5 EUR für einen kaum benutzen aber noch sehr gut funktionierenden Wäscheständer? Im Verhältnis zu dem, was wir verdienen, nichts.

Aber wenn ich mal angenommen, alles ersetzen würde, was bei uns kaputt wäre, so wie ich es früher getan habe, dann würde ich auf eine stattliche Summe kommen. Diese trägt dazu bei, mich weiter in meinem Hamsterrad festzuhalten. Kein Geld auszugeben und alternative Lösungen zu finden, bedeutet einfach mehr Freiheit, weil du unabhängiger von materiellen Dingen bist. Deshalb ist es wichtig, unnötige Ausgaben so weit wie möglich zu vermeiden.

Es lohnt sich also in jeder Hinsicht, dich vor jedem Neukauf zu fragen, ob und vor allem wie du den kaputten Gegenstand möglichst noch lange weiter nutzen kannst. Ein Ersatz käme für mich erst in Frage, wenn er seinen Zweck nicht mehr erfüllen kann. Das war zum Beispiel bei unserer Pfeffermühle der Fall, die nicht mehr richtig mahlte. Also werden wir sie definitiv ersetzen.

Welche Ideen sind dir eingefallen, um kaputte Gegenstände möglichst lange weiterzunutzen? Ich freue mich über deine Kommentare. 

Linktipp:

In meinem Gastartikel für Pia von Malmini findest du übrigens 12 weitere minimalistische Konsumalternativen mit denen du Neukäufe vermeidest.

 

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17 thoughts on “Nicht alles, was kaputt ist, muss gleich ersetzt werden

  1. Hallo!

    Ich liebe diesen Beitrag, genau so denke ich auch! Deshalb repariere ich auch alles, was möglich und auch unmöglich ist 😉

    Zum Wäscheständer gäbe es theoretisch sogar noch ganz andere Lösungen. Meine Oma hat z.B. in die beiden Türrahmen Nägel eingeschlagen und wenn sie Wäsche hatte, Leinen gespannt. Eine Leine nimmt viel weniger Platz weg als ein Wäscheständer! Geht natürlich nicht überall, aber ist durchaus denkbar zumindest als Gedankenspiel-Alternative.

    Ich werde Deinen Beitrag gleich einmal auf FB teilen, weil er mir so gut gefällt.

    lg
    Maria

    1. Liebe Maria, danke für deinen lieben Kommentar. Das ist wirklich ein schöner Start in die Woche für mich. Das mit den Nägeln finde ich gut. Das wäre auf jedenfall eine Überlegung Wert. Mittlerweile höre ich älteren Menschen sehr gerne zu, weil sie in dieser Hinsicht die besten Tipps haben 😉 Vielen Dank fürs Teilen und liebe Grüße, Huong

  2. Genau so denke ich auch – was noch funktioniert, wird weitergenutzt.
    Mein Reparatur-Lieblingsmaterial sind übrigens alte Fahrradschläuche und ich könnte mir gut vorstellen, dass damit auch dein Wäscheständer gerettet werden kann. Was ich sonst noch so mit alten Schläuchen mache, siehst du in meinem neuesten Blogbeitrag: … und täglich grüßt der Fahrradschlauch

    Liebe Grüße
    Christiane

    1. Liebe Christiane, danke du hast mich neugierig gemacht. Ich werde auf deinem Blog mal vorbeischauen. Liebe Grüße, Huong

  3. Als ich deinen Beitrag las, musste ich schmunzeln. Wir hatten selbst mal genau das gleiche Problem mit unserem Wäscheständer. Dann wollte meine Mutter ihren wegwerfen, der noch besser in Schuss war. Spontan hab ich dann Interesse gezeigt, da bei ihr noch alle Streben vorhanden waren.

    Mit unserem Staubsauger geht’s uns nicht viel anders. Da ist schon überall nachgeklebt, die Kabeltrommel rausgerissen, weil sie das Kabel verschluckt hat etc. Er funktioniert aber noch tadellos, herschenken geht nicht mehr. Wer will so ein halb verrecktes Teil haben? Zum Wegwerfen viel zu schade. Wir haben uns also dazu entschieden ihn bis zum Ende zu benutzen…

    Aber die Verführung ist groß, und man muss sich immer mal wieder am Riemen reißen.

    Liebe Grüße, Daniela

    1. Liebe Daniela, ich glaube in diesem Fall hätte ich auch den von deiner Mutter genommen. Das ist einfach eine gute und passende Gelegenheit. Finde ich völlig ok. Und den Staubsauger hätte ich auch noch weiter genutzt. Irgendwie üben alte Dinge mittlerweile einen gewissen Charme auf mich aus. Sie sind so authentisch in eine Welt in der alle nach Perfektion streben. Denn nichts im Leben ist immer blitzeblank. Aber du hast recht: Die Verführung ist groß 🙂 Ich reiß mich auch jedesmal zusammen 🙂 Liebe Grüße, Huong

  4. Hallo Huong,
    Ich habe auch seit eineinhalb Jahren einen Wäscheständer mit kaputter Strebe zu hause. Hätte ich nicht vor fast zwei Jahren mit zero waste angefangen, hätte ich einen neuen gekauft. Aber das hat mich auch umdenken lassen. Man kann ja immer noch Wäsche aufhängen, nur entspricht es halt nicht der Norm, eine kaputte Strebe zu haben. Es soll ja alles heil und tadellos sein. Ein „ordentlicher“ Haushalt. Aber ich bin deshalb nicht unordentlicher oder nachlässiger. Das musste erstmal aus meinem Kopf raus. Und ich weiß auch, dass manche darüber die Nase rümpfen würden. Aber denen zeige ich meinen Wäschständer ja nicht und mittlerweile könnte ich da auch drüber stehen 😊.
    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Liebe Steffi, ja das stimmt, bei all den Dingen die wir besitzen oder uns ganz einfach so kaufen können, muss man wirklich umdenken. Manchmal habe ich das Gefühl, dass mir das Denken durch all die Produkte abgenommen wird. Bin mittlerweile auch davon abgekommen, bei mir zuhause alles schön und perfekt haben zu wollen. Das war sowieso unerreichbar. Irgendwie fällt dann auch Druck von einem ab. Deinen Blog kenne ich übrigens und lese ihn sehr gerne :-). Liebe Grüße, Huong

  5. Gute Einstellung! Ich tue mich auch schwer beim Wegwerfen und hab 2 Gründe, die mich zu einem Neukauf bewegen können: Zeit- oder Geldersparnis. Z.B. war mein altes Handy noch funktionsfähig, aber nicht mehr das schnellste. Da ich mein Handy mittlerweile mehr nutze als meinen Pc (schreibe auch diesen Kommentar damit :)), habe ich mich doch zum Neukauf entschieden. Beim Thema Geldersparnis fallen mir nur grade meine LED-Lampen ein, für die meine alten Glühbirnen weichen mussten. Wegschmeißen tue ich trotzdem nichts, sondern behalte die Sachen als Ersatz.

    1. Zeit und Geld sind auf jedenfalls gute Argumente. Das mit deinem Smartphone kann ich nachvollziehen. Bei den Glühbirnen hätte mir mein Minimlistenherz gesagt, dass wenn ich sie eh behalte, dann auch erst so lange verwende bis sie kaputt gehen. Dann hätte ich weniger Sachen. 😉

      1. Ich habe da auch lang mit mir gerungen, aber von dem Stromkosten her armortisieren sich LEDs schon nach wenigen Monaten. Die meisten meiner Glühbirnen gingen ohnehin der Reihe nach kaputt, sodass ich nur 1 funktionierende ersetzt habe. Bei meinen Eltern hingegen war ich da radikaler. Mein Trost: Die alten Birnen kann man ja immer noch als Ersatz, z.B. für den Keller nutzen.

        1. Ja das stimmt, LEDs sind wirklich stromsparende. Wir nutzen sie auch. Leider sind sie in der Anschaffung wiederum teurer. Für den Keller sind alte Glühbirnen eine gute Idee. Es wäre ja auch schade, wenn sie ungenutzt zuhause rumliegen 😉

  6. Hallo Huong,
    ich bringe meine kaputten Schuhe immer wieder zum Schuster. Die Absätze oder Sohlen lassen sich oft erneuern. So kann ich die Schuhe viele Jahre tragen.
    Bei Turnschuhen kaufe ich gelegentlich neue Schnürsenkel für 2 Euro. Dadurch sehen die Schuhe gleich frischer aus.
    Gruß,
    Kerstin
    P.S. Die kaputte Querstange von meinem Wäscheständer habe ich mit der Zange abgezwickt und die Reste mit der Feile rund geschliffen.

    1. Liebe Kerstin, meine Schuhe bringe ich auch immer zum Schuster. Das spart wirklich Geld 🙂 Ich bin gerade begeistert, wie viele ihren kaputten Wäscheständer noch weiter nutzen 🙂 Finde ich total toll

  7. Hallo,
    habe deinen Artikel jetzt erst entdeckt und er trifft haargenau unsere Kaufdiäterfahrungen! Wir haben gemerkt: das Wichtigste ist Warten. Wir kaufen als 4köpfige Familie nur noch max. Einen Gegenstand pro Monat. Ideen für kreativen Ersatz oder die Erkenntnis, dass wir doch auf den kaputten Gegenstand verzichten können, kommen uns meistens erst durch diese Beschränkung. Wir sind immer wieder erstaunt, was sich nach oft längerem Nachdenken an kreativen Ersatzlösungen in unserer Wohnung findet. Konsumbeschränkung setzt wirklich kreative Ideen frei und man freut sich darüber dann oft mehr, als wenn man einfach Ersatz gekauft hätte.

    1. Hallo, danke für deinen Kommentar. Ja, mir geht es genauso. Und ich würde es nicht mehr anders machen wollen. Vor allem die frei gewordenen Ressourcen wie Geld und Zeit sind wertvoll für mich, da wir uns nicht mehr mit unwichtigen Dingen wie Kaufen beschäftigen müssen. Einen neuen Gegenstand hätten wir besorgen und bezahlen müssen. Mit dem Geld machen wir dafür schönere Dinge. Liebe Grüße, Huong

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