No Shopping – wie verändert uns das?

Was passiert, wenn du keine neue Kleidung mehr kaufst? Ich habe es zwei Jahre lang ausprobiert und möchte dir von meinen Erfahrungen berichten.

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Bereits letztes Jahr habe ich darüber geschrieben, wie es ist, nach dem Entrümpeln nur noch Lieblingskleider zu besitzen. Schon damals hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Doch tatsächlich hat sich seitdem noch einiges verändert:

1. Die Wertschätzung gegenüber meinen Sachen ist enorm gestiegen

Da ich mir seit zwei Jahren keine neue Kleidung mehr gekauft habe, sind viele Sachen mittlerweile ziemlich abgenutzt. Früher war das ein Grund, sie auszusortieren. Heute ist das nicht mehr so, auch wenn einiges bereits ausgefranst, kaputt oder nicht mehr in Form ist. Erstens brauche ich die Sachen. Und zweitens haben sie für mich enorm an Wert gewonnen, weil ich einfach nicht mehr so viel davon besitze. Inzwischen mag ich  die Herausforderung, mit dem zurecht zu kommen, was ich habe. Wenn ich daran zurück denke, wie viel gut erhaltene Sachen ich früher aussortiert habe – schlicht und einfach aus dem Grund, weil sie mir nicht gefallen haben – bin ich doch ziemlich erschrocken über diese Verschwendung.

2. Die Beziehung zu meinen Kleidungsstücken ist pragmatischer geworden

Das Ziel beim Entrümpeln meines Kleiderschrankes war, nur noch Lieblingsstücke zu besitzen, damit ich mehr Überblick über meine Sachen habe und mich nicht mehr lange entscheiden muss, was ich anziehe. Das Ziel habe ich erreicht und sogar noch viel mehr: Da Kleidung für mich inzwischen zur Mangelware geworden ist, sehe ich das Ganze viel pragmatischer. Bevor ich nichts mehr habe, behalte ich auch Sachen, die nicht unbedingt zu meinen Lieblingsstücken gehören. Meine Außenwirkung durch Kleidung ist mir, mal abgesehen aus beruflichen Gründen, nicht mehr so wichtig. Im Gegenteil, irgendwie ist eine Last von mir gefallen, seit ich mich gar nicht mehr frage, wie das, was ich trage, wohl auf andere wirkt.

3. Kaufen ist in Zeiten des Überflusses nicht notwendig 

Schon immer sind mir hin und wieder Kleidungsstücke von anderen angeboten worden. Früher habe ich stets dankend abgelehnt, weil ich selbst zu viel hatte. Das hat sich geändert. Jetzt freue ich mich darüber. Und es sind echt tolle Stücke dabei, zum Beispiel die nagelneuen Sneakers von meiner Freundin, die ihr zu klein waren oder das schöne Sommerkleid, dass ich gegen einpaar Umzugskartons getauscht habe. Ich könnte noch etliche solcher Situationen aufzählen. Alles, was ich bekommen habe, war so gut wie neu. Es ist nicht wirklich nötig, Kleidung zu kaufen, weil es so viele Menschen gibt, die zu viel haben und froh sind, wenn sie etwas davon los werden. Insgesamt ist mein Schrank sogar wieder etwas voller geworden. Das ist aber nicht schlimm, weil ich einige Sachen, aufgrund ihrer starken Abnutzungserscheinungen, demnächst aussortieren muss. Und das tue ich dann mit einem sehr guten Gewissen.

Mein Leben mit einem minimalistischen Kleiderschrank

Einen Überblick über meine Kleidung zu haben, schätze ich mittlerweile sehr, da ich nicht lange überlegen muss, was ich anziehen soll. Ich sortiere alles nach Kategorien: Tops, Kurzarmshirts, Langarmshirts, Hosen, Röcke… . Wenn ich mich anziehe, greife ich von dem entsprechenden Stapel etwas ab und habe ganz schnell ein akzeptables Outfit an.

Wenn ich beruflich doch einmal mein Homeoffice verlassen muss, habe ich für diesen Fall noch einpaar gute Blusen aus meiner früheren Bürozeit. Bei Feierlichkeiten trage ich auch immer dieselben Sachen. Sie sind in einem sehr guten Zustand, weil ich sie seltener anziehe. Und wenn mal alle Stricke reißen, habe ich ja immer noch eine Hand voll Freundinnen, die echt tolle Sachen haben. Mir fehlt also wirklich nichts!

Vor allem aber spare ich eine menge Zeit und Geld. Ich gehe schon lange nicht mehr shoppen oder probiere stundenlang neue Outfits an. Das eingesparte Geld investiere ich in andere Dinge, vornehmlich in gutes Essen, Reisen, Bücher oder ganz einfach für meine persönliche Weiterentwicklung.

Meine Entrümpelungstipps an dich

Früher hätte ich dir geraten, rigoros auszumisten und die Sachen so schnell wie möglich loszuwerden. Heute sehe ich das anders. Wenn du vorhast, dir keine oder so wenig neue Kleidung wie möglich zu kaufen, dann würde ich wirklich nur die Sachen spenden oder anderweitig entsorgen, die dir nicht passen oder in denen du dich unwohl fühlst.

Alles andere, das du momentan nicht in deinem Schrank behalten magst, lagerst du einfach außer Reichweite ein. So kannst du dich daran bedienen, wenn du mal wieder etwas Neues brauchst. Auch Kleidungsstücke sind Verbrauchsgüter, die sich irgendwann abnutzen. Dann ist es gut, Ersatz zu haben. Und dein Bestand an Kleidung wird mit der Zeit kleiner, weil du abgetragene Kleidung sowieso entsorgen musst – vorausgesetzt natürlich, du kaufst nichts oder nur sehr wenig Neues hinzu.

Das klingt vielleicht zunächst nicht sehr minimalistisch, aber wenn du eine Zeit lang die Erfahrung gemacht hast, mit weniger auszukommen, verändert sich der Wert der Dinge enorm. Du wirst froh darüber sein, noch gute Kleidungsstücke zu besitzen, auf die du zurück greifen kannst und sie mit ganz anderen Augen betrachten. Es gibt mit Sicherheit viele Kleidungsstücke, die du früher gar nicht richtig registriert hast, weil sie in der Masse untergegangen sind. Aber das ändert sich. Vielleicht werden einige von ihnen sogar zu neuen Lieblingsstücken. Und das fühlt sich gut an. Die Frage, was du brauchst und was nicht, wirst du nach dieser Erfahrung ganz einfach beantworten können.

 

Buchtipp
Minimalismus trifft Kleidung“, von Pia Mester*

Wenn du vorhast, deinen Kleiderschrank zu entrümpeln, dann kann ich dir dieses Buch unbedingt empfehlen. So gehst du dein Entrümpelungsprojekt Kleiderschrank ganz systematisch an, sodass du am Ende tatsächlich nur noch Lieblingsstücke besitzt. Mehr dazu erfährst du hier.

 

 

Noch ein Tipp zum Schluss – Capsule Wardrobe

Wenn du vorhast, dir eine Capsule Wardrobe aufzubauen, dann kann ich dir Farbe Weiß nicht empfehlen. Weiß sieht zwar wunderschön aus, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Sachen doch ziemlich schnell vergilben, wenn man sie oft trägt. Sieht dann nicht mehr so gut aus.

Und einen ganz tollen Blog kann ich euch empfehlen, den ich gerade entdeckt habe: Beyond Simplicity. Jen schreibt hier über Minimalismus und hat sogar eine ganze Rubrik zum Thema Capsule Wardrobe. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Hast du auch bereits seit längerer Zeit einen minimlistischen Kleiderschrank? Falls ja, wie sind deine Erfahrungen?

 

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7 thoughts on “No Shopping – wie verändert uns das?

  1. Hallo Huong,

    deine Mail zu neuer Kleidung gefällt mir ausgesprochen gut. Bewundernswert, wie du es schaffst, keine Shopping Touren mehr zu machen, wo es dir doch früher so gut gefallen hat.
    Meine minimalistische Einstellung breitet sich bei mir auf jeden Fall spürbar bis in alle Lebenslagen aus. Deinen Blog verfolge ich begeistert regelmäßig.
    Allerdings gefällt es mir immer noch gut durch die City zu laufen und ggfs. auch mal was Neues zu kaufen. Da ich eine 40 Stunden Woche im Büro habe, kann ich natürlich auch einiges rechtfertigen. Aber von klein auf wusste ich schon meinen Stil, den ich bis heute treu geblieben bin. Pro Saison nur ganz wenig neu kaufen, dann zu den schon vorhandenen Basics tragen, und schon sind viele neue Outfits entstanden. Manche Sachen sind schon 18 – 20 Jahre alt und immer noch wie neu. Nachmittags ziehe ich sowieso das Bürooutfit aus und meine Leger Klamotten an. Das schont natürlich auch.
    Da wir nie in Urlaub fahren, nie essen gehen, nie Familienfeiern haben, ist das finanziell auf jeden Fall drin. Die nicht mehr getragenen Sachen spende ich regelmäßig bei der Caritas.

    L.G. Bärbel

    1. Liebe Bärbel, finde es echt schön, dass du so aufmerksam meinen Blog verfolgst. Falls es mich mal an Schaufenstern vorbeizieht, gucke ich natürlich auch noch, Aber das Bedürfnis mir etwas zu kaufen ist weniger geworden. Ich weiß allerdings nicht, wie es wäre, wenn ich mehr Werbung konsumieren würde, mehr mit Menschen zusammen wäre, die ständig tolle neue Sachen haben und auch gern zur Schau stellen oder mehr in Shoppingmeilen unterwegs wäre. Dann würde ich wahrscheinlich auch schwach werden. Am Schlimmsten ist es im Urlaub. Aber in den letzten Zwei Jahren hatte ich sehr wenig damit zu tun, was mir daher leichter fiel. Und wenn ich im Büro arbeiten würde, dann hätte ich mir mit Sicherheit auch etwas gekauft, aber sehr viel bewusster als ich das früher getan hätte. Und darauf kommt es letztendlich an, sich zu fragen, was man wirklich braucht. Liebe Grüße :-)

  2. Ich war gerade im Urlaub und musste sehr oft an dich denken, nämlich jedes Mal, wenn ich irgendwo ein schönes Kleidungsstück entdeckt habe und mein „Belohnungszentrum“ im Gehirn sofort Alarm geschlagen hat. „Ach, nur ein schönes Mitbringsel“ oder „so etwas gibt es bei uns in Deutschland sicher nicht“. Trotzdem habe ich nichts gekauft, weil es einfach nicht sein musste. Und in der Regel war der Wunsch, etwas Bestimmtes zu besitzen, am nächsten Tag wieder vorbei. Andererseits macht es mir hin und wieder aber durchaus Spaß, etwas Neues zu kaufen, nämlich dann, wenn ich wirklich etwas brauche. Dann achte ich allerdings darauf, dass es hochwertig, nachhaltig und „klassisch“ ist und mir auch noch im nächsten Jahr gefällt.

    1. Liebe Katinka, wie schön von dir zu lesen :-) Ich verfolge auch gespannt deinen Blog. Im Urlaub standhaft zu bleiben finde ich auch schwer :-) Oft ist es wirklich so, dass Wünsche schnell wieder verfliegen. Ich denke, wenn ich etwas schönes sehe, das ich wirklich von Herzen habe möchte, selbst wenn ich es nicht unbedingt bräuchte, dann würde ich es mir auch kaufen. Das kann auch glücklich machen, wenn es selten vorkommt. Zur Zeit genieße ich aber noch die Herausforderung, es nicht zu tun. Ich bin mir aber sicher, dass sich das bald ändern wird. Für unsere nächste Reise brauche ich unbedingt Wanderschuhe :-)
      Dabei auf Qualität und Zeitlosigkeit zu achten trägt natürlich zur langfristigen Nutzung bei. Liebe Grüße :-)

  3. Liebe Huong,
    dein Beitrag hat mich aus einer akuten „Kleiderkrise“ gerettet und kam wirklich genau zur richtigen Zeit! Ich finde, wenn man nichts mehr kauft (ich ziehe das mit meiner Familie in Form einer Kaufdiät durch) hat man auch immer wieder mal Krisen, in denen man sich fragt, warum man sich das eigentlich antut. Ging dir das auch so? Da ist es dann total schön, so einen Beitrag wie deinen zu lesen und sich dann wieder völlig motiviert auf sein Vorhaben zu besinnen! Ich hoffe, ich werde das auch so lange durchhalten wie du! Ich finde, du hast wahnsinnig gut beschrieben, was der positive Effekt ist: die Wertschätzung. Das geht mir auch so. Es lohnt sich wirklich, nichts zu kaufen, man freut sich dann mehr an dem, was man hat. Gut fand ich auch deinen Hinweis zum Ausmisten: Wir greifen in der Kaufdiät gerade ständig auf Dinge zurück, die man streng minimalistisch genommen schon längst hätte entrümpeln sollen. Diese Erfahrung habe ich bislang bei vielen Minimalisten-Blogs mit ihren Entrümpelungsorgien vermisst.
    Alles in allem war ich so begeistert von Deinem Beitrag, dass ich auch gleich in meinem Blog auf Dich verwiesen habe….
    Viele Grüße von der Familie auf Kaufdiät!
    Martina

    1. Liebe Martina, danke für deinen Kommentar und deine Verlinkung. Das freut mich sehr, dass der Beitrag eine Inspiration für dich war. Wow, finde ich super, was ihr zusammen als Familie macht. Werde deinen Blog auf jedenfall verfolgen. Ich bin mal gespannt wie es mit euch weitergeht. So wirkliche Krisen hatte ich nicht, aber ich hatte zwischendurch doch einpaar Wünsche :-) Bisher bin ich standhaft geblieben, bis der Wunsch wieder von allein verflogen ist. Aber ich denke dass es bei mir einfacher ist, weil ich von Zuhause aus arbeite. Liebe Grüße, Huong

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