Und, heute schon dein Bücherregal ausgemistet?

architect-791707Bücher. Ich liebe sie. Sehr sogar. Doch ich habe mich trotzdem von ihnen getrennt. Nicht von allen, aber fast allen.

Bücher sind etwas ganz Besonderes für mich. Mit ihnen kann ich die Gedanken eines anderen Menschen nachvollziehen, von spannenden Geschichten erfahren, mir Wissen aneignen und die Welt besser kennenlernen, ohne alle Orte bereist zu haben. Sie geben mir Trost und Kraft oder lenken mich ab wenn es mir mal nicht so gut geht.

Warum also die Trennung?

Als leidenschaftliche Leserin fiel es mir sehr schwer, mich von Büchern zu trennen. Und einfach so wegwerfen ging überhaupt nicht. Etwas so wertvolles wirft man nicht einfach weg. Im Laufe der Zeit sammelten sich aber immer mehr Bücher an. Sie standen in meinem Regal schon in zweiter Reihe und fingen an, mich zu belasten. Denn ich hatte keinen Überblick mehr. Ich wusste nicht mehr, welche mir am Herzen lagen und welche nicht. Welche wollte ich noch lesen, welche hatte ich schon gelesen? Welche waren noch aktuell und welche konnte ich nicht mehr gebrauchen? Bei jedem Umzug spürte ich ganz besonders, wie viel Platz und vor allem wie viel Gewicht sie einnahmen.

Rein ins digitale Zeitalter

Als die ersten E-Reader auf der Bildfläche erschienen, war ich sofort Feuer und Flamme. Der Gedanke, alle Bücher stets dabei zu haben, gefiel mir sehr. Und ich hatte mir schon immer gewünscht, Bücher kaufen und sofort lesen zu können, ohne in die Buchhandlung zu müssen. Wohlgemerkt ist das für mich aber immer noch einer der schönsten Orte zum Entspannen. So beschloss ich vor einigen Jahren, mir den Kindle E-Reader zuzulegen. 

Wie hat der E-Reader mein Verhältnis zu Büchern verändert?

Es war nie eine Entscheidung für oder gegen gedruckte Bücher. Aber dennoch hat das digitale Lesen mein Verhältnis zu Büchern verändert. 

Ein gedrucktes Buch zu lesen, ist sinnlich
Jedes gedruckte Buch das ich lese, sieht anders aus und unterscheidet sich auch in der Größe. Das Cover spielt eine sehr große Rolle weil es einem Buch sein Aussehen verleiht. Gleichzeitig ist es auch ein haptisches Erlebnis für mich, wenn ich ein Buch in meinem Händen halte. Ich fühle das Papier aus dem es gemacht ist. Jedes Buch riecht auch anders. Und alle Bücher in meinem Regal beisammen zu haben, machte mich glücklich. Es war ein schönes Gefühl, sie zu besitzen.

Ein digitales Buch zu lesen, ist minimalistisch
Beim digitalen Lesen spielt nur der Inhalt eine Rolle. Die Schrift bleibt nahezu unverändert – jedenfalls auf dem Kindle. Lediglich die Schriftgröße oder der Zeilenabstand kann verändert werden. Das Gerät sieht immer gleich aus, egal welches Buch ich lese. 

Die sinnliche Komponente fehlt also beim digitalen Lesen. Ich gebe zu, dass das am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig war. Aber letztendlich ist genau das das Minimalistische an der ganzen Sache.Mir ist durch den E-Reader bewusst geworden, dass im Grunde genommen nur der Inhalt wichtig ist. Das sinnliche Erlebnis beim Lesen ist zwar schön aber es hat in mir auch den Wunsch geweckt, die Bücher besitzen und sammeln zu wollen, anstatt sie mir zum Beispiel nur auszuleihen. Diesen Wunsch habe ich heute nicht mehr. Zwar hänge ich nach wie vor an Büchern. Und Bücherregale bei anderen Leuten betrachte ich immer noch mit einer gewissen Bewunderung, aber ich muss sie nicht mehr besitzen. Denn ich fühle mich sehr viel leichter ohne und konzentriere mich beim Lesen vollkommen auf das Wesentliche. Gedruckte Bücher kaufe ich mir nur noch sehr selten, zum Beispiel, wenn sie in digitaler Form oder in der Bibliothek nicht mehr vorhanden sind. 

So habe ich mein Bücherregal ausgemistet

Heute besitze ich nur noch eine Hand voll Bücher. Natürlich habe ich nicht alle auf einmal ausgemistet. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht. Als Motivation hielt stets ein Umzug dafür her. Nach den folgenden Kriterien habe ich ausgemistet:

Diese Bücher habe ich behalten:

  • Bücher, die mein Leben beeinflusst und mich inspiriert haben
  • Bücher, die von ihren Bildern leben, wie zum Beispiel Reisebücher, Kinderbücher oder Kunstbildbände
Diese Bücher habe ich weggegeben:
  • Romane, weil ich sie nie wieder gelesen habe. Anfangs habe ich noch meine Lieblingsromane behalten aber außer für meine Umzüge habe ich sie nie wieder in die Hand genommen. Daher habe ich mich letztendlich auch von ihnen getrennt.
  • Krimis. Die liest man wirklich nie wieder weil man ja bereits weiß, wer der Mörder ist.
  • Fachbücher. Diese rate ich dir schnell zu verkaufen, wenn du sie nicht mehr brauchst, denn je mehr Zeit vergeht, desto mehr verlieren sie an Wert, weil sie dann nicht mehr aktuell sind. Es gibt nur wenige Ausnahmen. 
 
Hast du noch Tipps für Entscheidungskriterien? Dann hinterlasse mir doch gerne einen Kommentar.
 
Und jetzt, ran an den Bücherschrank!










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11 thoughts on “Und, heute schon dein Bücherregal ausgemistet?

  1. Wir haben vor einigen Monaten den Minimalismus entdeckt und eine riesige Baustelle waren und sind die Bücher. Auch wir haben uns letztes Jahr einen Kindle zugelegt und lieben ihn. Da wir auch weiterhin auf Bücher nicht verzichten wollen, holen wir sie uns jetzt aus der Bibliothek. Dann haben wir sie nur für ein paar Wochen in der Wohnung und dann geben wir sie zurück. Unseren Buchbestand haben wir mittlerweile ganz gut im Griff und optimieren weiter. Angefangen haben wir mit dem Verkauf der Bücher an Momox. Unzählige Kartons haben wir zur Post gebracht und machen das heute immer noch. Da wir wirklich viele Bücher haben, in die wir immer wieder reinschauen, haben wir gestern beschlossen die Bücherregale in den Keller zu räumen. Dort steht dann unsere Bibliothek. Die Bücher erfassen wir vorher über eine App, damit wir immer wissen, was im Keller zu finden ist. Wir leben zu dritt in einer 66 qm Wohnung und jeder Platz ist kostbar, darum denke ich, dass der Keller super ist und hoffe, dass die Bücher das nicht persönlich nehmen. Den Platz, den wir dadurch schaffen, der wird nicht wieder neu vergeben, sondern wir wollen wirklich hin zu einem minimalistischem Wohnen und zeigen, dass das auch mit einem Kleinkind geht. Oh, um nicht komplett als Turbokapitalisten dazustehen: Wir spenden auch Bücher, zwar nicht so viel wie Kleidung, aber ein paar sind es schon. Nur wegwerfen lehnen wir ab. Ich finde man schmeißt keine Bücher einfach in den Müll. Alles Liebe, Mareike. PS: Toller Blog :-)

    1. Liebe Mareike, vielen Dank für deinen Kommentar! Das ist doch ein guter Anfang. Auch ich habe mehrere Anläufe gebraucht. Minimalistisch leben betrachte ich als eine Lebensaufgabe. Und bei Büchern habe ich mich zunächst auch schwer getan. Deinen Ansatz, keine neuen Bücher dazu zu kaufen, finde ich gut. Mit der Zeit verändert sich die emotionale Bindung zu den Büchern, vor allem wenn man auf dem Kindle liest.Bei mir war es jedenfalls so. Wie sieht es in anderen Lebensbereichen bei dir aus? Ich hab damals mit meinem Schreibtisch angefangen und habe dann meinen Kleiderschrank entrümpelt. Liebe Grüße, Huong

      1. Der Minimalismus ist bei uns mittlerweile in allen Bereichen angekommen: Ernährung (bin auf dein Buch gespannt), Kleidung, ja auch die Finanzen und das Reisen sind minimalistisch geworden. Ich habe mich von Aktien getrennt, an den ich viel zu lange hing und eine Reise nach New York haben wir jetzt abgesagt bzw. doch nicht geplant, weil wir uns dieses Jahr voll auf das „Entrümpeln“ konzentrieren wollen und auch mehr von unserer direkten Umgebung erleben wollen. Begonnen habe ich mit dem Ausmisten meines Kleiderschranks und dem Vernichten von zig Papierordnern, wo vermeintlich wichtige Sachen drin waren. Zur Sicherheit haben wir alles gescannt, aber an die 10 Ordner sind schon in die Datentonne gewandert. Meinen Kleiderschrank habe ich jetzt so gestaltet, dass nur noch unifarbene Sachen enthalten sind. Es ist jetzt alles so viel leichter mit den Klamotten und mit weniger fühle ich mich so besser. Wir haben mit der Auflösung meiner kleinen, aber noch vollen Wohnung bis Jahresende noch ein gutes Stück Arbeit vor uns, aber wir haben uns in Sachen Minimalismus ganz gut entwickelt und loslassen ist jetzt sehr einfach. Am Wochenende haben wir zum Beispiel 90% der Inhalte aus Kisten, Schubladen und Kartons meiner Wohnung entsorgt. 5 % sind noch Erinnerungen, die gescannt werden und der Rest bleibt, weil er für mich wirklich wichtig ist. Aber 95 % sind weg und das ist super. Kleidung und Möbel werden wir wohl spenden. Das Spenden und Verschenken habe ich auch erst mit dem Minimalismus entdeckt und es fühlt sich sehr gut an. Zum Glück haben wir in München Sozialkaufhäuser und ich bringe die Sachen dort wirklich sehr gern hin. Ich bin froh, dass wir den Minimalismus für uns entdeckt haben. Ich fühle mich so frei und glücklich, wie lange nicht mehr. Alles Liebe Mareike

  2. Oh, verschimmelte, lädierte, nach Moder riechende Bücher kann man wunderbar und schnell in die Papiertonne entsorgen. Leider kommt so etwas immer wieder mal vor.
    Bücher, die ich behalten habe, sind auch Bücher, die ich für meinen Beruf brauche. Aber selbst da habe ich mich von überflüssigen Exemplaren getrennt.
    Aufgehoben habe ich Bücher, die ich von lieben Menschen geschenkt bekommen habe. Die lese ich im Jahr auch einmal wieder und staune, wie sich die Sichtweise ändern kann.
    Was ich auch noch habe, sind ein paar Kinderbücher und Kochbücher. Die brauche ich ab und zu.
    Bei mir hat das Minimalisieren mit der Scheidung begonnen. Zuerst flog das Bettzeug aus der Bude, danach noch viele andere Dinge, die mich belastet haben. Und trotzdem landete noch viel zu viel im Container. Dafür habe ich nun all die Dinge um mich, die ich brauche und schätze.
    Mein Bücherschrank ist momentan beim gefühlten Minimum angekommen.

    1. Ich bin mittlerweile auch bei einem gefühlten Minimum angekommen. Und das fühlt sich gut an. Unsere Kinderbücher behalte ich auch, weil meine Tochter sehr gerne liest. Aber auch da versuchen wir, so viel wie möglich aus der Bücherei zu holen. Meistens fängt man an zu entrümpeln, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt oder wenn man etwas abschließt. Bei mir war es mein Studium. Ich hatte dann echt viel Chaos auf meinem Schreibtisch.

  3. Sehr schöner Blog.

    Mein Kriterium ist der Raum, den ich den Büchern geben möchte: Zwei Regalfächer und zwei Plastikkisten.

    Vor der Geburt meines Sohnes habe ich sein Zimmer als Lesezimmer genutzt und hatte zwei Regale voller Bücher. Nun ist das Zimmer seit 5 Jahren sein Kinderzimmer. Ich habe lediglich zwei Fächer in den Regalen für meine Bücher behalten. Der restliche Platz ist für seine Bücher, gebastelten Kunstwerke und Spielsachen reserviert.

    Vor fünf Jahren habe ich alle Bücher, die nicht in „meine“ zwei Regalfächer passten, in den Altpapiercontainer auf den Recyclinghof geworfen. Das kam mir wie Verschwendung vor.

    Inzwischen sammle ich Bücher, die ich nur einmal lese (Krimis,…), im Keller bis zwei Plastikkisten voll sind. Dann verkaufe ich die gelesenen Bücher über das Internet und der Rest wird an das Gebrauchtwarenhaus gespendet.

    1. Der Platz ist auch ein sehr gutes Entscheidungskriterium. Danke für den Tipp. So vermeidet man es schon im Vorfeld, dass irgendwann das Gefühl entsteht, nicht mehr genug Platz haben :-) Wenn es soweit ist, weiß man gar nicht mehr wo man anfangen soll mit dem Ausmisten. Finde ich total toll :-)

  4. Hallo.

    Meine Bücher, ein Hochheiligtum.
    Und trotzdem habe ich es geschafft.

    Behalten habe ich meine Mustersammlungen
    und einige Romane, die gerne immer wieder lese.

    Ich kaufe auch noch Bücher nach,
    aber für jedes NEUE Buch müssen 2 ALTE gehn.

    Die verabschiede ich in verschiedene Bücherschränke

    und manchmal nehme ich auch wieder ein NEUESALTES Buch mit.

    So mache ich es mit Kleidung Schuhen etc. auch.

    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Hallo Andrea, das ist auch eine gute Möglichkeit, um seinen Bücherbestand zu reduzieren. Liest du auch auf dem E-Reader? Für mich war der E-Reader eine enorme Erleichterung. Ich lese aber trotzdem noch gedruckte Bücher und gehe in die Bücherei. Liebe Grüße, Huong

  5. Ich habe auch mein Bücherregal im Laufe der Monate verändert, viele Bücher verschenkt (offenes Bücherregal) oder verkauft. So kann sich noch jemand anders an den Büchern freuen, statt dass sie bei mir verstauben.

    Anders als du habe ich auch Reiseführer und Bildbände weg gegeben. Die Informationen in den Reiseführern werden nicht aktueller, je länger sie bei mir stehen. Die Bildbände habe ich nie angeschaut, wenn man mal von wenigen Ausnahmen absieht. Diese Ausnahmen habe ich behalten.

    Einen ebook reader hatte ich auch mal (er war nach ein paar Monaten defekt). Das hat schon einige Vorteile. Vielleicht besorge ich mir mal wieder einen. Gebraucht.

    Ich leihe mir gerne Bücher aus der Bibliothek aus. Und kaufe gebrauchte Bücher, die ich dann wieder weiter verkaufe.

    Seit kurzem ist mein Platz für Bücher begrenzt auf 3 Regalbretter. 1,5 Bretter für Bücher die ich behalten möchte. Ca. ein halbes Brett für Bücher die ich noch lesen möchte oder gerade aus der Bibliothek entliehen habe. Ein Brett mit Büchern die für den Verkauf bestimmt sind.

    1. Ist sehr minimalistisch, wie du das machst. Meine Priorität liegt auch auf der Bibliothek, im Freundeskreis ausleihen und dann digital kaufen oder gedruckte Bücher gebraucht kaufen. Überfluss hat für Minimalisten deutlich einen Vorteil, weil die überschüssigen Sachen echt gut sind und man heutzutage alles gebraucht bekommt. Wir haben unsere Bücher auch nur noch auf dem Fensterbrett stehen. Uralte Reiseführer miste ich auch aus. bisher habe ich sie meistens weiterverschenkt wenn ich wusste, das ich nicht sobald in dieses Land reise. Liebe Grüße, Huong

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