Wie materielle Dinge uns abhängig machen

Woher kommt das Gefühl, Dinge zu brauchen? Denn das erzeugt eine Form von Abhängigkeit. Können wir uns davon befreien?

Freiheit

In einem Artikel habe ich mal gelesen, dass Menschen, die sich das erste mal ein Auto kaufen, nicht das Gefühl haben, es unbedingt zu brauchen. Ganz im Gegensatz zu denjenigen, die schon mal ein Auto besessen haben.

So ist es wohl mit vielen Dingen, die wir uns kaufen. Wir gewöhnen uns an den Lebensstandard, den sie uns ermöglichen. Erst seit 3 Jahren besitze ich zum Beispiel eine Spülmaschine. Seither denke ich, dass ich es per Hand nicht genauso sauber hinkriege und empfinde ein negatives Gefühl, wenn sie voll ist. Eigentlich ist das Unsinn, aber so entsteht Abhängigkeit.

Abhängig zu sein bedeutet …

… weniger frei zu sein, nämlich dann, wenn wir das Gefühl haben, ohne gewisse Dinge kein gutes Leben mehr zu führen. Das kann sogar manchmal zu entzugsähnlichen Zuständen führen. So empfinde ich das zum Beispiel, wenn ich kein Internet habe.

Materielle Dinge erhöhen zwar unseren Lebensstandard – ein Auto ermöglicht uns zum Beispiel mehr Mobilität, spart uns damit Zeit und macht unser Leben bequemer – aber …

… alles hat seinen Preis

Wer sich an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt hat, muss auch für die finanziellen Verpflichtungen aufkommen. Und das kostet uns wertvolle Lebenszeit, die uns möglicherweise für erfüllendere Dinge fehlt. Vielleicht arbeiten wir auch härter, um Positionen zu erreichen, die mehr Geld einbringen, sind dafür aber gestresster oder launischer, was sich auf das Privatleben auswirkt.

Natürlich sind nicht alle materiellen Dinge schlecht. Vieles von dem was ich besitze brauche ich nunmal. Ich fühle mich sogar privilegiert, einen Zugang zu ihnen zu haben. Aber es fröstelt mich auch einwenig bei dem Gedanken, abhängig zu sein.

Sind wir den Dingen nun hoffnungslos ausgeliefert?

Wer weniger braucht ist freier. Ein guter Weg, sich aus Abhängigkeiten zu befreien ist daher, sich von Dingen und den Verpflichtungen, die mit ihnen einhergehen, zu lösen:

1. Loslassen

Je mehr du dich von Dingen löst, desto mehr machst du die Erfahrung, dass du auch gut ohne sie auskommst. Das macht dich freier. Hier findest du Tipps, wie dir das Loslassen gelingt.

Auch deine Beziehung zu den Dingen verändert sich. Sie wird pragmatischer, weil du sie aufgrund ihres Gebrauchsaspekts besitzt. So hängst du nicht mehr so sehr an ihnen und leidest nicht unter ihrem Verlust.

Und nicht immer machen materielle Dinge unser leben besser. Mit einem Auto sparen wir viel Zeit und sind flexibler. Doch es fordert die gewonnene Zeit an anderer Stelle auch wieder ein, zum Beispiel indem wir es warten, reparieren, pflegen oder nach Parkplätzen suchen müssen.

2. Weniger Konsumieren

Eine Zeit lang gut mit dem auszukommen, was du bereits hast, löst dich von dem Drang, mehr Haben zu wollen. Damit fällt viel Druck ab, zum Beispiel mit anderen mithalten zu wollen, die Verpflichtung von Ratenzahlungen oder sogar Verschuldung. Wie heißt es doch so schön: Reich ist der, der wenig braucht. Hier findest du 12 minimalistische Konsumalternativen, die dir dabei helfen, weniger zu konsumieren.

Unter Minimalisten gibt es auch Selbstversorger, die vieles selbst herstellen, um unabhängig zu sein. Auf dem Blog Experiment Selbstversorgung findest du zum Beispiel Tipps, wie du ohne Shampoo auskommst, deine Zahnpasta selbst herstellst oder Lebensmittel selbst anbaust. Lass dich inspirieren!

Weniger Abhängigkeit bedeutet mehr Freiheit für ein gutes Leben

Die Erfahrung, nicht viel zu brauchen, finde ich tatsächlich befriedigender als Dinge haben zu wollen. Ich fühle mich dadurch freier. Freier für einige wenige Dinge, bei denen ich das Gefühl habe, dass sich die Investition meiner Lebenszeit tatsächlich gelohnt hat oder für das Leben, dass ich mir eigentlich wünsche. Dadurch dass ich meine Zeit, meine Energie und mein Geld viel weniger in die Anhäufung von materiellen Dingen stecke, kann ich mich nun mehr auf die Frage konzentrieren, wie ich eigentlich leben möchte, sodass ich dieses Leben als gut empfinde.

 

Wie sind deine Erfahrungen? Wie empfindest du die Abhängigkeit von materiellen Dingen? Hast du auch das Bedürfnis, dich ein Stück weit davon frei zu machen? 

 

 

 

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3 thoughts on “Wie materielle Dinge uns abhängig machen

  1. Hallo Huong,

    Ein toller Artikel, der mir wie aus der Seele geschrieben ist. Auch ich beschäftige mich intensiv mit dem Thema Minimalismus und einem bewussteren Leben (http://Bewusstlust.de). In der Tat ist ‚Loslassen können‘ das Schlüsselwort, um aus Wort Verzicht in Befreiung übersetzen zu können. Wie du auch schreibst, gelingt das mal mehr, mal weniger gut. Ohne Internet ist es tatsächlich in den ersten Tagen ein großer Verzicht und erst nach einer Woche kann ich es tatsächlich als Befreiung fühlen 😉

    Liebe Grüße,
    Rebecca

    1. Liebe Rebecca, danke für deinen Kommentar. Auf deinem Blog werde ich auf jeden Fall mal vorbeischauen. Ja, ich glaube das ist ein Prozess den wir durchlaufen, wenn wir uns für einen minimalistischen Weg entscheiden: Das positive Erlebnis, wie sich Verzicht in Befreiung wandelt. Und das macht definitiv auch süchtig 😉 Liebe Grüße Huong

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