Wie ist das Leben auf kleinem Raum?

Für Minimalisten ist weniger mehr. Das gilt auch für den Wohnraum würde man meinen. Wie ist es also auf kleinem Raum zu leben? Zu dritt sind wir für knapp einen Monat mit dem Camper durch den Westen Kanadas gereist und haben es ausprobiert.

Wir rücken näher zusammen

In dieser Zeit rücken wir nicht nur räumlich näher zusammen, sondern auch menschlich. Unser Zusammenleben auf so kleinem Raum ist intensiv, denn wir können uns kaum aus dem Weg gehen. Spürbar ist dies vor allem bei schlechtem Wetter. Aber nach einiger Zeit entsteht ein ganz besonderes Gespür für die Gefühle und Bedürfnisse der anderen. Wir nehmen mehr Rücksicht aufeinander als sonst. Das ist eine schöne Erfahrung.

Uns steht die Welt offen

Wer braucht schon viel Raum, wenn einem die Welt offen steht? Dieses Gefühl haben wir täglich beim Anblick dieser  wunderschönen Landschaft. Die meiste Zeit verbringen wir im Freien und sind ebenso frei zu entscheiden, wann wir weiterziehen. Den Camper nutzen wir lediglich zum Kochen, Kuscheln und Schlafen. Wir vermissen nichts. Wenn sich das Leben im Freien abspielt, scheint Wohnraum eine weniger wichtige Rolle zu spielen – zumindest wenn das Wetter mitspielt.

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Ordnung muss sein auf kleinem Raum

Obwohl wir nur das Nötigste dabei haben, stört jedes Teil, das herumliegt und führt zu Unordnung. Nach dem Essen spülen wir ab und räumen alles sofort weg. Es ist anders als Zuhause, wo wir öfter gern mal alles liegen lassen. Hier geht das nicht – allein schon aus Sicherheitsgründen während der Fahrt. Es stimmt zwar, dass wenige Dinge zu weniger Chaos führen. Doch wenig Raum zur Verfügung zu haben, relativiert das Ganze wieder. Je kleiner der Raum, desto penibler muss die Ordnung sein. Wir empfinden das zwar als lästig, aber sind andererseits auch froh, nicht im Chaos zu versinken.

Nichts lenkt uns voneinander ab

Es gibt kaum Internet. Den Fernseher nutzen wir so gut wie gar nicht und unsere Smartphones bleiben die meiste Zeit in unseren Rucksäcken. Außer Lesen, Schreiben und einpaar Kinderserien, die wir uns ab und zu zusammen auf dem Tablet anschauen, gibt es nichts, was uns voneinander und auch von uns selbst ablenkt. So verbringen wir unsere gesamte Zeit miteinander statt nebeneinander. Das wird uns erst hier bewusst. Es ist auch lange her, dass ich so konzentriert schreibe. Mein Laptop benutze ich so gut wie gar nicht. Statt dessen schreibe ich mit der Hand, ausschließlich an meinem Buch. Es tut gut, sich nur auf einige wenige Dinge zu konzentrieren und sich dafür Zeit zu lassen. thumb_img_4596_1024

Leben auf kleinem Raum auch daheim?

In Deutschland führen wir ein ganz anderes Leben. Wir alle haben unseren eigenen Alltag und brauchen Rückzugsorte. Außerdem leben wir in einer Stadt, in einem Mietshaus, umgeben von Nachbarn. Wohnraum hat für uns deshalb eine wichtigere Bedeutung. Wir verbringen viel Zeit in unserer Wohnung, statt im Freien. Und ich brauche einen Ort, an dem ich in Ruhe und allein arbeiten kann. Zu dritt auf 10 qm geht das langfristig nicht. Ein Tinyhouse käme für uns als Familie weniger in Frage. Als Single wäre das natürlich wiederum eine ganz andere Überlegung. Meine Faszination für kleine Wohnräume bleibt. Viel Platz zu haben bedeutet nämlich auch, dass man sich gut aus dem Weg gehen kann. So gibt es viele Abende, an denen ich schreibe und der Anti-Minimalist etwas ganz anderes macht. Schnell entsteht das Gefühl, nebeneinander her zu leben. Da hilft wohl nur, sich ganz bewusst Zeit füreinander zu nehmen und herauszufinden, wieviel Raum man eigentlich braucht. Ich habe mir vorgenommen, mich nächstes Jahr mit dieser Frage zu beschäftigen. Meine Erfahrungen teile ich natürlich hier mit euch.

Wie sind deine Erfahrung? Wie viel Raum brauchst du? Und hast auch du schon mal beobachtet, wie sich die Größe des Raumes auch auf das Zusammenleben auswirkt? Ich bin sehr gespannt auf deine Geschichte.

 

 

 

 

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6 thoughts on “Wie ist das Leben auf kleinem Raum?

  1. Liebe Huong,

    die Sache mit dem Platz ist eine gute Frage – die wir uns auch schon öfters selbst gestellt haben. Als Single fände ich die Idee eines Tiny Houses ebenso faszinierend.

    Da wir aber 50% unseres Alltags zu Hause arbeiten, wollten wir Wohnen, Leben und Work stärker und deutlicher trennen. Und haben das mit unserem Umzug im Sommer auch getan. Auf 10m², wie Du so passend schreibst, würde das nicht funktionieren.

    Um ehrlich zu sein, liebe ich es, ein wenig mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Gepaart mit so wenig Besitz wie möglich die perfekte Kombi. Zumindest Status Quo. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Auf Reisen ist das natürlich wieder ein ganz anderes Thema.

    Herzliche Grüße
    M21

    1. Ihr Lieben von Minimalismus21 mir geht es genauso. Ich suche die perfekte Balance aus Leben, Arbeiten und Rückzugsort. Wir schauen uns gerade einige Wohnungen an. Und ich werde von meinen Erfahrungen natürlich weiter berichten. Vielen dank für eure Kommentare 🙂 Es freut mich immer sehr, von euch zu lesen 🙂

  2. Allgemein wird gesagt, erst das dritte Wohnmobil ist das Richtige. Aufgrund der Erfahrungen, kann man damit seine Bedürfnisse abdecken. Das kann ich aus eigener Histsorie bestätigen. Seit 2008 nutze ich ein Wohnmobil zur Freizeitgestaltung. Unser Aktuelles deckt den Bedarf unserer vierköpfigen Familie perfekt ab. Egal, bei welchem Wetter. Wir waren damit sogar schon über Weihnachten und Silvester unterwegs, bei Minus 10° Grad und schöner Schneelandschaft. Das funktioniert wunderbar.

    Das Leben auf kleinsten Raum muss, wie im Beitrag schon erwähnt, dafür natürlich organisiert sein. Aber auch hier hilft die Erfahrung eindeutig. Damit wächst man. Und natürlich das Equipment an Bord. Für Winterurlaube gibt es kleine Vorzelte, wo man Schneeschuhe und –sachen lagern kann. Bei durchwachsenen Frühlings- oder Herbstwetter, bietet die Markise mit Wänden ausgestattet, einen erweiterten Wohnraum.

    Persönlich kann ich mir ein Tiny-House durchaus vorstellen, das wird aber sicherlich an einem entsprechend Bauplatz, Richtlinien und Vorschriften in Deutschland scheitern. Auch für später, wenn die Kinder groß und die Arbeitstage weg sind, würde ich durchaus gerne einen Großteil des Jahres unterwegs auf der Straße verbringen. Lose Pläne dazu gibt es jedenfalls schon.

    1. Lieber Lubo, ich bin gespannt, wie sich euer Leben auf Rädern so gestalte. Werde noch öfters auf deinem Blog vorbeischauen, da wir ebenfalls Gefallen am Reisen im Wohnmobil gefunden haben. Würde mich sehr über einen weiteren Austausch freuen. Liebe Grüße Huong

  3. Hallo Huong,

    falls Fragen auftauchen, kannst Du Dich sehr gerne melden.

    Mein Blog ist nicht mehr wirklich aktuell, das Design und die Art gefällt mir nicht mehr. Ich werde wohl im neuen Jahr an anderer Stelle weiter machen.

    Viele Grüße
    lubo

    1. Lieber Lubo, super vielen Dank. Das mache ich gerne. Ich schreibe gerade an einem Buch über unsere Reise. Werde sicherlich auf dein Angebot zurück kommen und bin auch sehr gespannt über deine neuen Projekte. Viele Grüße Huong

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