Am Ende nichts bereuen – jeder hat die Freiheit zu wählen

Die Beste und ich. Wir kennen uns bereits seit der Schulzeit, haben viel miteinander erlebt und sind zusammen Erwachsen geworden. Irgendwie haben wir es geschafft, uns trotz verschiedener Lebenswege immer wieder zu treffen und uns gegenseitig durch neue Erfahrungen, Sichtweisen und Ermutigungen zu bereichern.

Eines jedoch, haben wir nicht miteinander erlebt

Wir haben es bis heute nicht geschafft, gemeinsam zu verreisen. In all den Jahren, in denen dies möglich gewesen wäre, gab es immer Gründe, wieso wir es nicht taten. Das war damals auch nicht dramatisch, denn was sollte schon passieren? Wir hatten ja immer die Option, es jederzeit nachzuholen. So haben wir immer nur als Zukunftsvorhaben davon gesprochen.

Es vergingen Jahre, ohne dass etwas passierte

Und irgendwann gelangten wir an einen Punkt, an dem eine Reise erstmal nicht mehr möglich war. Denn eines Tages trat das kleine Fräulein Wunderbar in mein Leben. Plötzlich war da dieser kleine Mensch, der mich so sehr brauchte. Ich konnte doch nicht einfach so weg? Die Beste hatte Verständnis. Und wir mussten unsere Reise noch weiter in die Zukunft verschieben. Ich ertappte uns jedoch immer öfters dabei, wie wir „Ach hätten wir doch damals bloß“ – Gespräche führten. Uns wurde bewusst, dass wir etwas, was uns wichtig war, einfach nicht getan haben, obwohl wir viele Gelegenheiten dazu hatten. Wir bereuten es.

Das Wesentliche im Leben

Die Palliativ-Pflegerin Bronnie Ware nennt in ihrem Buch die fünf häufigsten Dinge, die Menschen an ihrem Sterbebett am meisten bedauern:

1. Nicht das eigene Leben gelebt zu haben

2. Weniger zu arbeiten, um mehr Zeit für wichtigere Dinge zu haben

3. Seine wahren Gefühle auszudrücken, um zu zeigen, wer man wirklich ist

4. Freundschaften nicht genug gepflegt zu haben

5. Sich selbst nicht erlaubt zu haben, glücklich zu sein

Wer sich in seinem Leben den Dingen widmet, die ihm wichtig sind, wird am Ende viel weniger bereuen. Und das ist es, was ich will, wenn ich später zurück blicke. Um die wesentlichen Dinge sollte man sich daher immer sofort kümmern und nicht auf später verschieben. Sonst kann es leicht passieren, dass man es gar nicht mehr tut. An den 5 Dingen, die Bronnie Ware nennt, erkennt man, dass es sich um greifbare Dinge aus unserem alltäglichen Leben handelt, wie Liebe, Freundschaft, Familie und die eigenen Wünsche. Nicht um Erfolg, materiellen Wohlstand oder Anerkennung.

Diese Dinge sind für jeden von uns realisierbar

Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber das, was noch vor mir liegt. Die Gelegenheit dazu kam unverhofft schnell. Die Beste hat sich einen Traum erfüllt und ist für drei Monate beruflich nach Jersey gegangen. Natürlich hat sie mich zu sich eingeladen. Da auch ich aus meinen komfortablen Gewohnheiten nicht so leicht ausbrechen kann, gab es zunächst viele Gründe, warum ich nicht fliegen kann: das Geld, mein kleines Fräulein Wunderbar, die Arbeit, und und und. Um allen gerecht zu werden, nur nicht mir, kam sogar die Überlegung auf, daraus einen Klein-Familien-Kurztrip zu machen.

Aber das wäre nicht das Gleiche gewesen

Ich will mit der Besten alleine sein, zusammen tolle Gespräche führen bei gutem Essen, gutem Wein, schreiben während sie arbeitet und anschließend zusammen die Insel erkundigen, mal wieder mein schwarzes Lieblingskleid tragen und ausgehen. Ich will mich mal wieder vollkommen auf uns konzentrieren und mich selbst wieder spüren können – einfach mal abschalten.

Gesagt, getan: Ich habe die Reise gebucht. Ein Ticket ganz für mich allein

Das Gefühl, diesen Schritt zu bereuen, kam zum Glück nicht auf. Im Gegenteil: Es fühlt sich einfach richtig an, weil ich endlich aus meiner Komfortzone herausgetreten bin, mich selbst von allen Verpflichtungen befreit und auch mal Verantwortung abgetreten habe, um etwas zu tun, was mir wichtig ist. Wenn ich die Gelegenheit jetzt nicht ergreife, würde ich es sehr bereuen. Letztendlich sind es diese Kleinigkeiten, die in der Summe ein glückliches Leben ausmachen. Ich bin glücklich mit meiner Entscheidung und werde es mein ganzes Leben lang sein, wenn ich an diese Reise zurück denke.

 

Gibt es in eurem Leben auch etwas, was ihr bereut habt und gern ändern wollt? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

 

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2 thoughts on “Am Ende nichts bereuen – jeder hat die Freiheit zu wählen

  1. Hallo Huong,

    Dein Beitrag über die Jersey- Reise vom 20.11. hat mich zum Nachdenken angeregt. Richtig, dass Du gefahren bist und vor allem alleine gereist bist.

    Das ist mir heute wichtig, wenn ich verreise:

    Früher bin ich von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gehetzt. Heute ist mir wichtiger, mich zu erholen und das Beste aus der Situation zu machen.

    Diesen Sommer habe ich für vier Wochen ein Segelboot gemietet und damit Dänemark erkundet. Ein lang gehegter Traum wurde wahr. Ich wollte Zeit für mich haben. Mein Mann ist mit meinem Sohn zu Hause geblieben. Einige Freunde und Verwandte waren total entsetzt, dass ich meine Familie „im Stich lasse“.

    Die erste Reisewoche hat mich eine liebe Kollegin begleitet. Das war eine unglaubliche Erleichterung, damit ich mir zutraue den sicheren Hafen zu verlassen und los zu segeln. Ab der zweiten Reise Woche war ich alleine unterwegs und habe es so genossen keine Verpflichtungen zu haben. Zwei Wochen lang bin ich von Insel zu Insel gebummelt und habe mich treiben lassen. Ich wurde sehr ruhig und ging sogar langsamer. Überall begegnete ich sympathischen Leuten, die mir weiterhalfen. Die vierte Reisewoche saß ich auf der Insel Aerö fest. Wegen eines Sturmtiefs konnte ich nicht weiter segeln. Da hätte ich mich ärgern können. Stattdessen fuhr ich mit dem Inselbus zu den goldigen Dörfern und lief einen Teil des Wanderwegs ab. Der Vermieter des Bootes hat mir dann einen Segellehrer per Fähre geschickt, der gemeinsam mit mir das Boot an einem einzigen Tag zurück in den Heimathafen überführte.

    Mit Mann und Sohn ging es danach weitere 14 Tage an die Ostsee. Mit der Ruhe war es allerdings vorbei. Die meisten Tage haben wir am Strand vertrödelt: mit Plantschen und Fischbrötchen- Essen. Außerdem war mich wichtig, dass jeder einen Ausflug nach seinem Geschmack aussuchen darf.

    Es muss sich nicht alles nach dem Kind oder alles nach einer Person richten. Mein Sohn begeisterte sich für die Haie im Aquarium auf Fehmarn, mein Mann für das Freilichtmuseum Molfsee und ich für die Studios einer maritimen Fernsehserie. In der zweiten Woche besuchten uns die Schwiegereltern, die sich freuten, Zeit mit dem Enkel zu verbringen. Ein schöner Famlilienurlaub.

    Gruß,
    Kerstin

    1. Hallo liebe Kerstin, danke für deinen wunderschönen Kommentar. Ich finde es wahnsinnig mutig, dass du allein gesegelt bist. Aber ich kann dich sehr gut verstehen. Ich denke als Mutter ist es wichtig, sich ab und zu eine Auszeit zu nehmen. Seitdem hat sich für mich Reisen auch verändert. Ich war mal in Rom für vier Tage. Und da habe ich mir auch vorgenommen, mir so viel wie möglich anzusehen. Wenn ich daran zurück denke, kommt mir als erster Gedanke die Reizüberflutung in den Sinn. Es ist wahrscheinlich das Gefühl, dass man nichts verpassen will wenn man schonmal da ist. Aber das sehe ich heute anders. Wenn man sich auf das konzentriert, was man während einer Reise wirklich machen will, dann erlebt man das viel intensiver und ist zufriedener.
      Für deinen Mann und deinen Sohn, war es wahrscheinlich auch eine ganz neue Erfahrung, mal ohne dich zu sein 🙂 Meiner Tochter und meinem Freund hat es gut getan. Es hat ihre Beziehung intensiviert und sie haben sogar ganz eigene Rituale entwickelt. Am Ende haben wir wieder das Gefühl gehabt, uns ganz stark zu vermissen. Das fand ich schön. Lieben Gruß, Huong

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