„Auf Umwegen zum Glück“ | Interview mit Katharina Pavlustyk

Die Journalistin Katharina Pavlustyk hängte ihren Job an den Nagel und begab sich ein Jahr lang auf die Suche nach ihrem Glück. Sie reiste viel, nahm an Glückfindertagen teil, machte eine Ausbildung im Neurolinguistischen Programmieren, schipperte für ein paar Wochen als digitale Nomadin auf der Nomad Cruise über den Atlantik und nahm an einer Workation in Marrokko teil. Über ihre Erfahrungen hat sie ein schonungslos ehrliches Buch geschrieben: „Auf Umwegen zum Glück. Wie ich versucht habe, glücklich zu werden, und was ich dabei gelernt habe.“ Es wird voraussichtlich im Frühjahr erscheinen. Ich durfte es vorab lesen und habe mit ihr über diesen mutigen Schritt gesprochen.

Liebe Katharina, ich glaube, es träumen nicht wenige Menschen davon, ihren Job zu kündigen, um frei zu sein und ihre Träume zu realisieren. Woher hast du den Mut dazu genommen? Und was würdest du sagen, war dein größter Beweggrund für diesen Schritt?

Es war gar nicht so sehr Mut, sondern ein Gefühl. Ich wusste nach einigen Jahren als Angestellte, dass ich bestimmte Freiheiten brauche, mehr Flexibilität. Es gab nicht DEN einen oder den größten Beweggrund. Es war ein Prozess. Der erste Schritt war für mich, einen Blog zu starten, für den ich Menschen interviewt habe, die anders leben, reisen und arbeiten. Ich habe also angefangen, nach Antworten zu suchen. Und je mehr ich mich mit digitalen Nomaden, Auswanderern und Selbstständigen unterhalten habe, umso mehr wurde mir klar, dass ich kein konventionelles Leben will, sondern eines, das sich mir anpasst. Alles andere ist nach und nach passiert. Meine Suche nach Glück zum Beispiel.

Du hast während deiner Suche an mehreren Glückfindertagen teilgenommen. Was waren die wertvollsten Erkenntnisse, die du für dich mitnehmen konntest?

Puh, das ist schwer zu sagen. Jeder Glückfindertag hat mich ein Stück weit näher zu mir selbst gebracht. Ich habe gelernt, dass ich eigentlich schon immer glücklich war, es bloß vergessen habe. Ich habe den Gedanken zugelassen, dass auch ich glücklich sein kann. Ich bin sehr dankbar für diese sechs Glückfindertage, weil ich angefangen habe, mich damit auseinanderzusetzen, was mich glücklich macht, was ich wirklich will. Dennoch fand die wirkliche Veränderung nicht bei diesen Veranstaltungen statt, sondern außerhalb. Durch neue Dinge, die ich gelernt und angewendet habe. Durch Erfahrungen, durch Menschen, die in mein Leben gekommen sind. Durch Reisen, auf denen ich mich selbst besser kennengelernt habe.

Ein Leben als digitale Nomadin. Davon träumen viele. Arbeit am Strand und vor allem dort, wo andere Urlaub machen. Frei sein. Doch letztendlich war das nicht dein Weg zum Glück. Was waren deine Gründe? Und haben die Erlebnisse auf der Nomad Cruise und während der Workation in Marrokko dein heutiges Glücksverständnis dennoch geprägt?

Ich habe mich nie als digitale Nomadin gesehen. Ich bin ein neugieriger Mensch und will noch viele Länder bereisen. Aber ich habe festgestellt, dass ein nomadisches Leben – heute hier, morgen da – nicht zu mir passt. Ich brauche das Gefühl von Zuhause, das nicht unbedingt in Deutschland sein muss. Rückblickend betrachtet, war ich sowohl in Marokko als auch auf der Nomad Cruise nicht ich selbst. Weil ich nicht wusste, wer ich bin und wie mein Leben aussehen soll. Ich habe bloß verstanden, dass es nicht so sein soll wie das Leben digitaler Nomaden. Und diese Planlosigkeit hat mich damals ganz schön heruntergezogen.

Bist du heute glücklich?

Kurze Antwort: ja!

Lange Antwort: Ich habe heute eine andere Definition von Glück. Früher bin ich dem riesigen Glücksgefühl hinterhergerannt, diesen Momenten, wo alles so großartig und erfüllend ist. Ich wollte mich die ganze Zeit so fühlen, habe aber festgestellt, dass ich zu viel von mir verlangt habe. Es ist schlicht nicht möglich, ständig und immer wie ein Glücksbärchi zu strahlen. Stattdessen richte ich mich heute nach dem Gefühl von Zufriedenheit, und da steckt das Wort „Frieden“ drin. Es ist also eher eine Ruhe, eine Ausgeglichenheit, ein Gleichgewicht, das ich anstrebe, und das ich viel, viel öfter habe als zu Beginn meines Glücksprojekts.

Was meinst du, war letztendlich ausschlaggebend für diese Erkenntnis? Gab es einen Schlüsselmoment?

Einen Schlüsselmoment gab es in der Form nicht. Nach meinem Glücksprojekt ist ja noch allerhand Blödes passiert, wie ich in meinem Buch schildere. Ich hatte gedacht, dass ich nach sechs Glückfindertagen den Dreh raus haben müsste, dass ich alles weiß. Aber erst als ich allein und ohne diese Fixpunkte, an denen es um Glück geht, war, kamen die wichtigsten Lektionen. Dass es wichtig ist, zu sich selbst zu stehen. Sich selbst zu vertrauen. Sich selbst so anzunehmen, wie man ist. Es war alles ein Prozess.

Gehst du heute anders mit schwierigen Situationen um?

Das Lustige ist: Je mehr ich mich selbst annehme, je mehr ich auch andere so akzeptiere, wie sie sind, umso weniger schwierige Situationen gibt es in meinem Leben. Oder vielleicht erscheinen mir schwierige Situationen heute nicht mehr so schwierig wie vor einigen Jahren oder Monaten. Ich weiß, dass es für alles eine Lösung gibt, auch für Situationen, die zunächst ausweglos scheinen, wie ich in meinem Buch schreibe. Es war sogar immens wichtig für mich, auf die Nase zu fallen. So habe ich am meisten gelernt.

Als du noch ziemlich am Anfang deiner Suche warst, gab es Momente, in denen du an dir gezweifelt und Ängste hattest. Hast du heute weniger Ängste?

Ja, tatsächlich. Ich bin natürlich nicht vollkommen angstfrei. Aber ich habe mich mit verschiedenen Themen auseinandergesetzt und mir meine Ängste angeschaut. Ich hatte früher Angst vor so vielen Dingen: vor dem Scheitern, davor, nicht gut genug zu sein, davor, wirklich ich selbst zu sein. Das sind ja oft Dinge, die wir als Kinder verinnerlichen und auch als Erwachsene mit uns herumtragen. Daher ist es wichtig, sich Ängste und andere Gefühle, die wir eher als unangenehm empfinden, anzuschauen.

Ich schiebe solche Gefühle nicht mehr weg und bin heute netter zu mir selbst. Früher habe ich mich zum Beispiel abgelenkt, sobald ich Angst oder innere Unruhe gespürt habe. Ich habe mich ewig lange durch die Facebook-Timeline gescrollt, ich habe im Internet irgendetwas gesucht, statt mal alle Geräte auszuschalten und einfach nur still zu sein. In sich zu gehen und zu gucken: Was ist das für ein Gefühl? Wo spüre ich es? Bei mir war es zum Beispiel oft Enge in der Brust. Irgendwann habe ich angefangen mich zu fragen, was mir dieses Gefühl sagen will. Ängste wollen uns ja auf etwas hinweisen, das nicht stimmt. Es war ein langer Prozess des Immer-wieder-Hinschauens und Aushaltens von Gefühlen. Denn sich seinen dunklen Seiten zu stellen ist nicht immer schön.

Bist du deiner Herzensmelodie gefolgt?

Ich folge ihr immer mehr und mehr. Ich habe alles abgestreift, was nicht zu mir passt. Ich schreibe beispielsweise nicht mehr für Kunden, weil ich nicht um Formulierungen feilschen möchte. Momentan bin ich vor allem Lektorin und bearbeite wirklich tolle E-Books und Buchmanuskripte. Das Schreiben ist aktuell eher im Hintergrund, weil es mir mehr Spaß macht, Buchdetektiv zu sein und Rechtschreibfehler und inhaltliche Unstimmigkeiten aufzudecken. Darin bin ich richtig gut. Vielleicht verlagert sich der Schwerpunkt in einigen Monaten wieder, ich weiß es nicht. Ich denke (und hoffe), dass ich auch künftig das machen werde, was mir am meisten Spaß macht.

Was würdest du jemandem raten, der sich auf die Suche nach seinem Glück begibt? Wo sollte er danach suchen?

Eigentlich ist es ganz einfach – und eigentlich wissen wir das alles: Ob wir glücklich sind oder nicht, hängt allein von uns selbst ab. Nur in unserem Inneren können (und sollten) wir danach suchen. Weil aber so viele Mechanismen in unseren Köpfen wirken, wird diese innere Wahrheit überlagert. Wir lassen uns nicht wir selbst sein, weil wir beispielsweise denken, wir müssten es unseren Eltern oder unserem Partner recht machen. Das passiert oft unbewusst, wie ein Programm, das immer wieder aktiviert wird. Deshalb ist es wichtig, sich selbst genug Zeit einzuräumen und vielleicht auch Hilfe in Anspruch zu nehmen, um sich selbst wieder kennenzulernen und einfach nur zu sein. Man selbst zu sein. Letztlich geht es um nichts anderes.

Liebe Katharina, vielen Dank für das inspirierende Gespräch und herzlichen Dank für dein Buch! Ich habe es, genauso wie dein erstes Buch Liebe deine Arbeit: 18 Experten zeigen Wege zur Berufung*  verschlungen und freue mich auf weitere von dir!

Was bedeutet Glück für dich? Seit ich mit dem Das 6-Minuten-Tagebuch* arbeite, ist mir mein Glück auf jeden Fall sehr viel bewusster. Den Artikel zum Tagebuch findest du übrigens hier. Eine der größten Herausforderungen für mich ist, mein Glück von äußeren Umständen zu emanzipieren und aus mir selbst heraus glücklich zu sein. Momentan ist es ziemlich eng an meine Lebensziele geknüpft. Ich denke, das ist ein Entwicklungsschritt, dem ich mich demnächst widmen möchte. Wie sieht es bei dir aus? Ich freue mich auf deine Kommentare.

 

Mehr über Katharina Pavlustyk und ihre Arbeit als freie Lektorin erfährst du auf ihrer Webseite www.katharinapavlustyk.de.

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5 thoughts on “„Auf Umwegen zum Glück“ | Interview mit Katharina Pavlustyk

    1. Liebe Sarah, das glaube ich dir. Ich werde es auf meinem Blog und auf meiner FB Seite sowie auf Instagram natürlich bekannt geben, wenn das Buch erscheint. Liebe Grüße
      Huong

  1. Schönes Interview, danke dafür.

    Ich bin oft etwas spitzfindig, ich finde den Untertitel: «Wie ich versucht habe…» nicht sehr gut gewählt. Entweder tun oder nicht tun, warum versuchen? Finde es aber gut, dass aus dem Interview klar hervorgeht, dass das Glück schlussendlich doch in einem selbst zu finden ist. Ich glaube die Kunst ist es, in jeglichen Lebenssituationen glücklich zu sein und (wie auch im Interview erwähnt) das hängt mit einer gewissen Zufriedenheit zusammen.

    1. Lieber Mnmlst, mir ging es bei dem Titel nicht so, aber ist natürlich auch sehr subjektiv. Mittlerweile glaube ich sogar, dass es die größte Herausforderung ist, in jeglichen Lebenssituationen glücklich zu sein. Und vor allem auch dass man letztendlich auch selbst für sein Glück verantwortlich ist. Diese zwei Aspekte finde ich bei diesem Thema sehr spannend. Liebe Grüße Huong

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