Warum wir durch Nichtstun mehr erreichen

Es gibt in der Regel genug ruhige Zeiten, die mein Leben gut ausbalancieren. Aus meiner letzten Stressphase habe ich jedoch nicht so leicht wieder herausgefunden. Während der Weihnachtszeit ist mir bewusst geworden, wie erschöpft ich war. Daher beschloss ich, mir Zeit fürs Nichtstun zu nehmen. Warum mich das ausgerechnet wieder in den Flow zurück katapultiert hat, erfahrt ihr hier:

Warum fällt uns Müßiggang so schwer?

Ich setzte mich selbst enorm unter Leistungsdruck. Ich stand unter Strom, wenn ich gar nicht am Schreibtisch saß, wenn ich mit Freunden zusammen war oder ich mich abends auf der Couch entspannen wollte. Meine Gedanken drehten sich um meine Arbeit und damit auch der Verantwortung, die ich in meinem Leben zu tragen habe. Schließlich ertappte ich mich dabei, wie ich gehetzt lief, selbst wenn ich es eigentlich gar nicht eilig hatte. Dieser Zustand war für mich so normal geworden, dass sich reines Nichtstuns vollkommen falsch anfühlte. Damit bin ich nicht allein. Warum, erklärt der Journalist Ulrich Schnabel in seinem Buch: „Muße. Vom Glück des Nichtstuns“*:

„Wir leben, wie Soziologen diagnostizieren, in einer „Beschleunigungsgesellschaft“, in der das Gefühl des Gehetztseins zum Dauerzustand geworden ist. Leistung wird über alles gestellt, das Nichtstun, der zweckorientierte Müßiggang gilt als unproduktiv und Verschwendung von (Lebens-)Zeit. (…) Denn in einer Leistungsgesellschaft, die das Wachstum, den Konsum und die persönliche Erlebnismaximierung feiert, wird das Nichtstun zum bitteren Genuss.“

Darin erkenne ich mich wieder. Du auch? Die Folge ist, so Ulrich Schnabel:

„Was dabei auf der Strecke bleibt, sind nicht nur die Ruhe zum Nachdenken und die Fähigkeit zum konzentrierten, effektiven Arbeiten (…). Hirnforscher haben mittlerweile festgestellt, dass unser Gehirn immer wieder Phasen des Nichtstuns braucht, dass ein gewisser Leerlauf im Kopf für unsere geistige Stabilität sogar geradezu unabdingbar ist.“

Eine überzeugende Legitimation für das Nichtstun! Es ist eine Wohltat für die Seele, das zu lesen.

Zurück in den Flow

Anders als gern durch Erfolgsstorys propagiert wird, sind wir kreativer und produktiver, wenn wir Abstand von der Arbeit nehmen. Diese Erfahrung habe ich bereits öfters gemacht und jetzt auch wieder kürzlich in der Weihnachtszeit. Nach nur wenigen Tagen, die ich mit Schlaf, Musik, Film und Büchern verbracht und einfach nur meinen Gedanken nachgehangen habe, ging es mir gleich viel besser. Ich kam sofort wieder in den Flow.

Nichtstun ist jetzt Pflicht

Das Buch von Ulrich Schnabel gibt wertvolle Erkenntnisse darüber, wie wichtig Muße für uns ist. Dies, nicht nur bezogen auf den Leistungsaspekt, sondern auch auf den Wert unseres eigenen Lebens an sich. Schließlich sind wir mehr als unsere Leistung und unser eigenes Leben auch ohne Leistung wertvoll. Das ist eine wichtige Erkenntnis für mich. Denn sie vertreibt mein schlechtes Gewissen, während ich mich genussvoll der Muße hingebe. Um zukünftig nicht wieder in die Leistungsfalle zu tappen, plane ich jetzt regelmäßige Mußezeiten ein. Ich setze mir täglich Zeitlimits für meine Arbeit, um dann einwenig auf der Couch zu sitzen und ganz frei zu entscheiden, was ich in dieser Stunde mache. Meine Abende verplane ich möglichst nicht mehr. Und ich gönne mir einfach mal freie Tage nur für mich allein. Dann bin ich Herrscherin über meine Zeit.

Erfolg geht auch anders

Mag sein, dass es Menschen gibt, die dadurch erfolgreich geworden sind, weil sie mehr als alle anderen gearbeitet haben. Mein Weg ist das nicht und ich glaube auch nicht mehr daran. Ich entscheide mich jetzt einfach mal für mich, für die Freude an meiner Arbeit und an meinem Leben. Erfolg kann sich trotzdem einstellen, oder wer weiß, gerade auch deshalb? Ulrich Schnabel nennt prominente Beispiele, die gerade eben durch Muße viel erreicht haben, wie zum Beispiel die Olympiasiegerin Britta Steffen, die sich ihren täglichen Mittagsschlaf sogar vertraglich zusichern lässt oder Yvon Chouinard, der Chef des Outdoor-Spezialisten Patagonia:

„Ich bin gern mal sechs Monate nicht im Büro, sondern auf Expedition in Südamerika“, sagt der kleine, aber zähe Mann. Nicht einmal ein Handy hat er dann dabei. Warum auch? „Selbst wenn die Zentrale brennt, könnte ich nicht helfen, während ich am Amazonas campe. Die müssen schon selbst die Feuerwehr rufen“, meint der Firmenchef.“

Ganz klare Empfehlung

 

„Muße. Vom Glück des Nichtstuns“ von Ulrich Schnabel*

Achtung, für dieses Buch brauchst du Muße! Lies es, wann immer du dich im Hamsterrad gefangen fühlst. Nimm dir Zeit, denn es ist nicht unterhaltsam, sondern tiefgründig und beleuchtet noch viel mehr Facetten unserer Beschleunigungsgesellschaft, die die wertvolle Erkenntnisse mit auf den Weg geben.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Blessing Verlag bedanken, der mir das Buch auf meine Anfrage hin zu Recherchezwecken für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.

 

 

SPEED: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit* von Florian Opitz

Zu diesem Thema kann ich dir auch den Dokumentarfilm von Florian Opitz empfehlen. Es ist eine der wenigen Dokus, die ich jede Sekunde spannend mitverfolgt habe. Auch er geht der Frage nach, warum uns trotz aller technischen Errungenschaften, weniger statt mehr Zeit bleibt. Um nicht unnötig mehr Dinge anzuhäufen, kaufe ich bereits seit längerer Zeit keine DVDs mehr, sondern streame Filme bevorzugt auf Amazon Video* oder Netflix.

 

 

 

Es ist mir gelungen, meinen Alltag wieder zu entschleunigen. Und das fühlt sich gut an. Wie sind deine Erfahrungen? Schreibe mir doch gerne in den Kommentaren.

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4 thoughts on “Warum wir durch Nichtstun mehr erreichen

  1. Ein toller Beitrag, davon sollte es viel mehr geben.
    Ich persönlich brauche eh sehr viel Zeit für mich und ich merke, dass diese Zeit im normalen Alltag viel zu kurz kommt. Also entweder brauche ich die 4-Tage-Arbeitswoche oder regelmäßig ne längere Auszeit von der Vollzeitstelle… Hab da noch nicht so die richtige Balance gefunden.
    Schlimm ist es, wenn man von lauter solchen gehetzten Menschen umgeben ist…der Mensch passt sich ja immer an… Dann sollte man wohl regelmäßig solche Artikel lesen um sich das bewusst zu halten 😉

    1. Liebe Lisa, danke für deinen Kommentar. Ja, ich habe manchmal auch das Gefühl, noch nicht ganz den richtigen Weg für mich gefunden zu haben. Aber ich probiere es mal mit täglichen Auszeiten. Ich bin sehr gespannt und bin froh, dass ich die meiste Zeit allein bin. So kann ich meine Zeit selbst einteilen. Komm gut in das neue Jahr! Liebe Grüße Huong

  2. Liebe Huong,

    Ich danke dir für diesen tollen Beitrag.

    Auch ich merke, das ich mehr Zeit für mich und meinen Körper geben sollte, um zur Ruhe zu kommen.

    Ich werde mir das Buch holen.
    Auch, wenn ich nicht täglich aus dem Buch lese könnte (was ich mir nicht wünsche), werde ich bereits bei dem Anblick des Buches daran erinnert, wie unverzichtbar eine Auszeit für den Geist und der Seele ist.
    Deshalb werde ich das Buch bewusst dahin platzieren, womit ich täglich und öfters in Berührung komme . Auf den Essenstisch!

    Ich wünsche dir weiterhin musische Stunden.

    Asle

    1. Liebe Asle ich werde mir ab jetzt auch regelmäßig Auszeiten gönnen. Mir hat es neue Kraft gegeben und zu mehr Kreativität verholfen. Das wünsche ich dir auch. Liebe grüße Huong

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