Warum nicht einfach neue Dinge mit alten Dingen bezahlen?


Jeder, der bereits einiges entrümpelt hat, weiß, wie zeitaufwendig und mühselig, das Entsorgen sein kann – vorausgesetzt, man wirft nicht einfach alles auf den Müll. Sich auf den Flohmarkt zu stellen, macht man nicht eben mal so. Man muss die Sachen aussortieren, einpacken, einen Tapeziertisch besorgen und und und. Verschenken ist da schon einfacher, aber da müssen sich Gelegenheiten ergeben. Und seine Sachen online verkaufen zu wollen, ist auch mit Aufwand verbunden. Kurz gesagt: Nach dem Entrümpeln kommt das Entsorgen und dazu fehlt oft ganz einfach die Motivation.

Bei mir hat sich dies seit gestern aber schlagartig geändert.

Ich hatte nämlich ein kleines Schlüsselerlebnis. Und seitdem biete ich wieder ganz fleißig dutzende von Dingen, die ich nicht mehr brauche, online zum Verkauf an.

Nun aber zu meinem Schlüsselerlebnis: Als Minimalistin denke ich wirklich ganz gründlich darüber nach, bevor ich mir etwas Neues kaufe. Obligatorisch stelle ich mir die Frage, ob ich die Sache tatsächlich brauche oder nicht. Die meisten von euch kennen dieses Prozedere bereits. Bevor ich mich dann zu einem Kauf entscheide, sehe ich nach, ob ich es auch gebraucht erwerben kann. So war es auch mit dem Rucksack, den ich gestern über Ebay kaufen wollte. Leider ging er aber an einen anderen Käufer.

Ganz selbstverständlich schaute ich dann nach, wo ich ihn sonst noch kaufen könnte. Neu gab es ihn noch, jedoch für deutlich mehr Geld. Beides nervte mich: die Selbstverständlichkeit, mit der ich mir einfach etwas Neues kaufen wollte und natürlich auch, der höhere Preis. Während ich also darüber nachdachte, ob ich ihn mir kaufen sollte oder nicht, kam mir folgender Gedanke in den Sinn:

Warum nicht einfach neue Dinge mit alten Dingen bezahlen?

In meiner Wohnung befinden sich immer noch viele Dinge, die ich nicht brauche und einfach nur so herum liegen. Das ist alles totes Kapital! Ich könnte einiges davon verkaufen und damit dann den Rucksack bezahlen. Das bringt folgende Vorteile mit sich:

1. Ich werde mehrere unnütze Dinge los, bevor ich mir etwas Neues dazu kaufe

Genau genommen bin ich vier Dinge für den Rucksack losgeworden. Meine Wohnung füllt sich nicht weiter, obwohl ich mir etwas Neues dazu kaufen werde – im Gegenteil, ich habe sogar mehr Platz. Und das Entsorgen ist auch erledigt.

2. Ich gebe kein Geld aus

Zwar kaufe ich den Rucksack, aber ich zahle nicht wirklich drauf, sondern finanziere ihn mit dem Geld, das ich für die Dinge bekomme, die ich sowieso nicht brauche. Insofern ist der Rucksack eigentlich gratis. Dafür ist der Aufwand relativ gering.

3. Ich minimiere die Selbstverständlichkeit meines Konsums

Mit dem Kauf des Rucksacks habe ich es mir nicht ganz einfach gemacht. Aber das ist das schöne an der Sache. Denn die Selbstverständlichkeit, mit der wir konsumieren, schmälert auch den Wert der Dinge. Das Besondere ist, dass ich für den Kauf des Rucksacks etwas tun musste und vor allem, warten musste, bis ich das Geld dafür zusammen hatte. Es kommt dem Gefühl gleich, wie wenn ich auf etwas hinsparen würde. Die Vorfreude ist groß und die Errungenschaft erst recht. Ich war jedenfalls den ganzen Tag gespannt und habe mich wahnsinnig gefreut, wenn ich etwas verkauft habe.

Und dieses kleine Erfolgserlebnis hat mich dazu motiviert, noch mehr Sachen online zum Verkauf anzubieten. Es hat mich sogar richtig angefixt und ich hab total Ehrgeiz entwickelt. Sogar mein Freund, der Anti-Minimalist hat verlauten lassen, etwas zu verkaufen. Ich konnte es kaum glauben.

Ein Ziel ist wahnsinnig anspornend

Ich kann dir nur empfehlen, es auch mal auszuprobieren. Denn oft neigen wir dazu, es uns einfach zu machen, indem wir alles, was wir brauchen, kaufen. Bezahle neue Dinge mit deinen alten Dingen. Es macht Spaß, motiviert dich dazu weiter zu entrümpeln, du sparst Geld und wirst endlich dein Zeug los.

Für mich hat sich die ganze Sache jedenfalls gelohnt. Und es hat sich auch nicht wie ein Kauf angefühlt, sondern eher wie ein Tausch, bei dem jeder als Gewinner hervorgeht. Nun habe ich auch schon neue Ziele, und zwar möchte ich  jemandem etwas geben, der gerade nicht so viel hat. Ich glaube fest an Karma und daran, dass einem Gutes widerfährt, wenn man auch viel gibt. Und dann würde ich mir gern einpaar Wanderschuhe finanzieren für unsere nächste Reise.

Und zum Schluss noch ein Tipp von mir zum Verkaufen:

Letztendlich ist das Geld nicht wichtig, sondern, dass du all dein Zeug endlich los wirst, das du nicht brauchst. Du wirst oft nicht den Preis dafür bekommen, den du haben willst. Aber wenn du es nicht verkaufst und es bei dir rumliegen lässt, wird es immer weiter an Wert verlieren und du hast letztendlich nichts davon, außer, dass deine Wohnung voll von diesen Dingen ist. Ich gehe folgenderweise vor: Alles woran ich nicht hänge, gebe ich für kleine Euros ab. Alles andere biete ich zunächst für einen höheren Preis an. Dann entscheide ich später erneut, wenn ich ein Gespür für die Nachfrage bekommen habe. Am Ende bin ich einfach nur froh, wenn ich all das Zeug überhaupt noch in Geld umwandeln konnte und es losgeworden bin.

Und zum Argument „Das lässt sich eh nicht verkaufen“ kann ich dir aus meiner Erfahrung nur sagen, dass das nicht immer zutrifft. Ich biete wirklich alles zum Verkauf an und wurde nicht selten überrascht, dass das tatsächlich noch jemand haben wollte. Versuche es deshalb einfach. Es kann sich richtig lohnen.

Wie sind deine Erfahrungen mit Onlineverkäufen? Und wenn du einpaar gute Motivationstipps zum Entsorgen hast, dann rein damit in die Kommentare!

 

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11 thoughts on “Warum nicht einfach neue Dinge mit alten Dingen bezahlen?

  1. Hey Huong,

    das ist auf jeden Fall ein cooles Konzept!

    Ich habe immer mal wieder so eine Phase, in der ich einen Haufen Zeug auf Ebay einstelle.. Manchmal kommt da auch eine echt schöne Summe zusammen! Und der Nervenkitzel, wenn man darauf wartet, wie viel man wohl bekommen wird, ist auch ziemlich cool. 😀
    Ich würde empfehlen die Verkäufe zu bündeln, weil man viel Zeit und Nerven spart, wenn man zB. alles nacheinander fotografiert oder alles nacheinander einstellt, im Gegensatz zu jedes Mal wieder neu anzufangen. Das Geld (was meist per PayPal gezahlt wird) würde ich dann einfach auf dem PayPal Account lassen und verwenden, wenn ich wirklich mal was kaufen will.

    Liebe Grüße,
    Ronja

    1. Hi Ronja,
      ja stimmt, bündeln ist eine gute Idee. Da spart man sich einiges an Arbeit mit. Bei Paypal bin ich bisher immer etwas zögerlich gewesen, aber ich werde mich mal damit beschäftigen. Das klingt gut. Dann kann man sich andere Sachen ganz einfach finanzieren, ohne auf sein Konto zurück greifen zu müssen.

      Liebe Grüße,
      Huong

  2. Überflüssige Dinge mache ich seit Jahren. Im Sommer machen Flohmärkte einen Riesenspaß, weil viele Menschen unterwegs sind, das Verkaufen Geld einbringt und Sonne gute Laune macht. Außerdem sieht man, wie der Geldbetrag mit jedem verkauften Teil anwächst. Meine ausrangierten Sachen sammle ich gleich in einem Flohmarktkarton, so dass ich am Vorabend nur die Kisten samt Stuhl und Tischen ins Auto packe.
    Elektronische Flohmärkte haben den Vorteil, dass ich die Sachen von zu Hause einstellen und in Ruhe verschicken kann. Ich muss sie nicht transportieren. Auf der anderen Seite gibt es auch das eine oder andere Teil, was erst nach Wochen verkauft ist. Meistens stelle ich die hochwertigen Dinge ein, die von Liebhabern gesucht werden. Über die letzten Jahre habe ich vieles an neue Besitzer gebracht. So etwa alle drei Monate gibt es meinen „Abverkauf“. An einem Nachmittag stelle ich viele Dinge ein und hoffe, dass sie für einen guten Preis weggehen.
    Da das Verkaufen oft mühsam ist, kaufe ich seit Jahren wesentlich bewusster ein, damit sich nicht wieder so viele Sachen bei mir ansammeln. Paypal sehe ich sehr kritisch. Deswegen gibt es bei mir (auch wegen der Niedrigszinsphase) die gute, alte Spardose: Der Gewinn für jedes verkaufte Teil wird dort in Münzen eingeworfen. Ende des Jahres leere ich die Spardose und leiste mir den einen oder anderen Luxus.

    1. Liebe Christine ich habe ab und zu auch verkauft aber irgendwann ist das eingeschlafen. Jetzt habe ich entdeckt dass es mit einem Ziel viel motivierender ist. Ich konsumiere auch sehr bewusst weil ich auch nicht möchte dass sich neue unnütze Dinge ansammeln. So wie du das machst ist es auch motivierend weil du ja siehst wie sich das Geld in deiner Spardose ansammelt ☺️👍 liebe Grüße huong

  3. Liebe Huong,
    ich pflichte Dir bei. Ich befinde mich tatsächlich an einem Scheideweg. Es hat leider viele Jahre gedauert, bis ich begriffen habe was im Leben zählt. Ich bin auf dem Weg vom EXTREM in die richtige Richtung zu gehen. Danke für Deinen lieben Kommentar. Ich freue mich schon auf weitere Ausführungen von Dir. Hab eine schöne entspannte Woche mit vielen guten Gedanken.
    Liebe Grüße von mary

  4. Hallo Huong,

    inzwischen gehe ich nicht mehr auf Flohmärkte. Denn die Gebühr wurde auf 25 Euro erhöht und ich habe die besten Dinge schon längst verkauft.

    „Wertvolle“ Teile verkaufe ich über Kleinanzeigen bei Ebay. Im Preis kalkuliere ich immer die Versandgebühr (meist 7 EUR) mit ein, da oft Kunden aus ganz Deutschland kaufen.

    CDs und DVDs kauft ein Händler in der Stadt an, der zirka 0,50 EUR- 1 EUR pro Stück bezahlt. Das ist bequem, weil ich immer wieder einen Stapel mit 20-30 Teilen auf einmal los werde. Außerdem kann ich mit dem Rad nach der Arbeit vorbei fahren und bin dann alles los.

    Gelesene Bücher verkaufe ich über „Regalfrei“ im Internet. Hier muss man einen Mindestumsatz von 10 EUR erreichen, also zirka 10-15 Bücher. Erst dann ist der Versand kostenfrei. Den Rest spende ich an Oxfam. Kann man direkt im Laden schnell abgeben.

    Gruß,
    Kerstin

    1. Hallo Kerstin eine Flohmarktgebühr von 25 EUR ist natürlich viel. Bei uns kostet es nur 7 EUR. Da lohnt sich das eher. Aber trotzdem geht dafür ein ganzer Tag drauf. Über Ebay bin ich zeitlich flexibler. Das Wertvollste habe ich wohl auch schon verkauft, aber ich versuche es weiter. Als nächstes Ziel will ich einpaar Wanderschuhe damit finanzieren. Hast du dir etwas bestimmtes von dem Geld gekauft? Das mit den Büchern finde ich gut. Habe damals auch viel bei Oxfam gespendet und vieles auch in der Kantine liegen lassen. Da ging auch alles weg. Liebe Grüße, Huong

      1. Deine Idee vom Umwandeln finde ich sehr gut. Aber nein, einen 1:1 Umtausch habe ich bisher nicht gemacht. Dafür habe ich darauf geachtet, innerhalb von einem Monat möglichst genauso viel zu verkaufen wie für Luxus und Hobbys auszugeben.
        Gruß,
        Kerstin

  5. Das ist eine ganz tolle Sache und ich handhabe das auch so, so oft es geht.
    Ich biete noch einige Dinge auf ebay an, die ich aussortiert habe, auch wenn ich in meinem Aussortier-Prozess schon weit fortgeschritten bin, kommt immer mal wieder etwas dazu.
    Wenn ich dann mal wieder etwas brauche, warte ich, bis ich genug verkauft habe um damit das benötigte Teil zu kaufen.
    Lasse dann das eingenommene Geld auch bei Paypal liegen und verwende es von da aus direkt weiter 🙂

    Du schreibst übrigens ganz tolle Artikel, ich lese sie wirklich sehr gerne!
    Liebe Grüße

    1. Liebe Katja, danke für deinen Kommentar. Habe mich sehr darüber gefreut. Ich habe letztens auch wieder ein Erfolgserlebnis gehabt. Habe ganz viel Krim Krams bei Ebay verkauft, sodass merklich weniger bei uns herum lag. Habe dafür 150 Er eingenommen und mir davon einen multifunktionalen Spiegel bei Ebay gekauft, hinter dem ich meine Sachen, die ich weiter tragen möchte, verstauen kann, ohne dass es unordentlich wirkt. Und es ist noch Geld übrig, von dem ich Dinge kaufen kann, die ich brauche. Ich würde es niemals mehr anders machen wollen :-))) Macht total Spaß und am Ende auch glücklich, wenn das Begehrte Teil zuhause steht, das mit Dingen finanziert wurde, die man nicht mehr braucht. :-DDD Dir weiterhin viel Erfolg beim Verkaufen. Liebe Grüße Huong

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