Buchtipp – „Trotzdem vegan“, von Andrea Ballhause und Christian Voecks


Ich esse Fleisch. Sehr gerne sogar. Sicher fragst du dich jetzt, warum ich dann ein Buch zum Thema Veganismus vorstelle? Die Antwort ist, dass ich mich zunehmend unwohl dabei fühle, Fleisch zu essen, je mehr ich darüber weiß. Spätestens aber seit ich das Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer* gelesen habe, lassen mich die Bilder nicht mehr los, die dabei in meinem Kopf entstanden sind. Und das ist auch gut so.

Denn ich will mich unwohl fühlen, wenn ich Fleisch esse, weil ich dann aufhöre, das Leid der Tiere zu verdrängen. Daher befasse ich mich intensiv mit dem Thema, um irgendwann einmal den Absprung zu schaffen. Je mehr ich darüber weiß, desto mehr Einfluss nimmt dieses Wissen auch auf mein Leben.

Das Buch „Trotzdem Vegan“ von Andrea Ballhause und Christian Voecks richtet sich an alle, denen es genauso geht wie mir

Anders als bei vielen anderen Büchern über Veganismus findest du hier keine Rezepte oder Schritt für Schritt Anleitungen. Im Vordergrund stehen Gespräche mit 13 unterschiedlichen Persönlichkeiten, die vegan leben:

1. Vegane Köche – Verzicht und weniger Geschmack?

Die Köche Björn Moschinski und Lars Hoßmann räumen mit dem Vorurteil auf, dass Veganer auf vieles verzichten müssen und nicht mehr viel übrig bleibt, was sie essen könnten. Ihre veganen Kreationen, die sie in dem Buch schildern, widerlegen das zum Glück. Ich habe mir in dem Moment nichts sehnlicher gewünscht, als einmal davon probieren zu dürfen.

2. Vegane Aktivisten – Ist Veganismus eine Ideologie?

Mahi Klosterhalfen, geschäftsführender Vorstand der Albert Schweizer Stiftung, Sebastian Joy, Geschäftsführer des VEBU (Vegetarierbund Deutschland) und Dr. Melanie Joy, Psychologie- und Soziologie Professorin schildern ihre Zusammenarbeit mit Unternehmen und Politikern, sogar mit Wurstherstellern und machen uns bewusst, dass es sich bei unserer gängigen Ernährungsweise (Karnismus) ebenfalls um eine Ideologie handelt, die, genauso wie die vegane, hinterfragt und geändert werden kann.

3. Die Extrem-Sportler – Brauchen starke Männer – und Frauen – Fleisch?

Patrick Baboumian und Mark Hoffmann, beides Leistungssportler, erzählen, wie sie ohne tierische Produkte körperliche Höchstleistungen vollbringen. Sie sind der lebende Beweis, dass es tatsächlich funktioniert.

4. Die Weltreisenden – Funktioniert Vegan unterwegs?

Angela Gossow, Sängerin der Death Metal Band „Arch enemy“, Mille Petrozza, Sänger der Trash Metal Band „Kreatur“, Heino Nölke, Veranstaltungstechniker und Justin P. Moore, Weltreisender, schildern, wie sie sich der Herausforderung stellen, sich auch unterwegs vegan zu ernähren.

5. Die Geringverdienenden – Ist vegan teuer?

Anna, Studentin und Rose, Geringverdienende, zeigen, dass eine vegane Ernährungsweise nicht teuer sein muss. Vor allem Rose gibt tolle Inspirationen, wie sie möglichst kostengünstig an qualitativ hochwertige Lebensmittel kommt.

Was mir an dem Buch besonders gut gefallen hat

Alle in dem Buch vorgestellten Persönlichkeiten erzählen offen und ehrlich über ihre Ansichten zum Thema Veganismus und ihre Beweggründe dazu. Während ich es las, hatte ich das Gefühl, tatsächlich bei den Gesprächen dabei zu sein. Sehr sympathisch fand ich, dass es bei fast allen Gesprächspartnern nicht darum ging, andere zu missionieren, sondern einfach nur darum, ihre Sichtweise zu schildern. So bleibt dem Leser viel Freiraum, um über das Erzählte nachzudenken. Ich kann das Buch also für alle empfehlen, die sich erstmal im Stillen und ganz allein mit dem Thema auseinandersetzen wollen, ohne sich dabei unter Druck gesetzt zu fühlen.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat – und das ist ein wichtiger Punkt – ist, dass ich mich als Fleischesserin nicht verurteilt fühlte. Ich stehe diesem Lebensstil jetzt viel offener gegenüber. Somit holen die Autoren Andrea und Chris den Leser dort ab, wo Veränderungen wirklich entstehen, nämlich in unseren Gedanken – der Ort, an dem sich die Erkenntnis festsetzt, dass es wirklich nicht in Ordnung ist, wie wir mit Tieren umgehen.

Ich weiß nicht, ob es mir jemals gelingen wird, vollkommen auf tierische Produkte zu verzichten. Aber ich finde, nicht mehr die Augen davor zu verschließen, woher und vor allem auf welche Weise wir unser Fleisch erhalten, ist ein guter erster Schritt.

Wenn euch das Buch ebenfalls interessiert, könnt ihr es hier* bei Amazon erwerben.

Über die Autoren

Andrea und Chris habe ich bei einem Minimalismus Stammtisch in Düsseldorf kennengelernt. Als sie mir von ihrem Buch erzählten, war ich sofort neugierig geworden und habe es mir noch am gleichen Abend auf den E-Reader geladen. Beide leben seit vielen Jahren vegan und unsere Unterhaltung über diese Ernährungsweise fand ich sehr bereichernd. Mehr über Andrea und Chris erfahrt ihr auf ihrem Blog: Weggedacht. Eine Facebook Seite haben die beiden natürlich auch.

Linktipp

Silke von Minimalisch hat einen wunderbaren Blogbeitrag über den Zusammenhang von Minimalismus und Veganismus geschrieben. Ihrer Sichtweise schließe ich mich voll und ganz an. Schaut mal auf ihrem Blog vorbei.

Hast du auch schon mehrere Versuche gestartet, deine Ernährung auf vegetarisch oder sogar vegan zu ändern? Was fiel dir dabei schwer? Wie fühlst du dich dabei, solltest du es schon geschafft haben und was probierst du aus, falls du genauso wie ich dabei bist, es zu probieren? Ich versuche jetzt einfach mal ganz undogmatisch an die Sache heranzugehen. So fällt es mir am Einfachsten, weil ich mich dann nicht so unter Druck setze.

*Affiliate Link

 

 

4 thoughts on “Buchtipp – „Trotzdem vegan“, von Andrea Ballhause und Christian Voecks

  1. Hallo Huong,

    nach der Lektür von „Tiere essen“, war ich auch erstmals bereit meine bis vor circa zwei Jahren ziemlich low-carbige Ernährungssichtweise zu überdenken. Seitdem ich hunderte der Kurzvideos von Michael Gregers Seite nutritionfacts.org durchgesüchtet habe, bin ich umso überzeugter, dass eine vegane Ernährung nicht nur aus moralischen und/oder ökologischen Gründen Sinn macht. Besonders frappierend war für ich die Erkenntnis, das praktische alle bekannte Krankheiten aus dem Kontakt mit Tieren stammen: Erkältungsviren von Pferden, Pocken von Schweine und Grippe von Geflügel. Bei den „neueren“ Erkrankungen ist das wieder nicht anders: AIDS, Ebola und ander hämorrhagisches Fieber (Affen), SARS (Schleichkatzen) – wir rücken den Tieren in ihren natürlichen Umgebungen zu sehr auf den Pelz. Vor allem aber: Vogel- und Schweinegrippe und EHEC (Rind) sind höchstwahrscheinlich ein Ergebnis der ungewollten menschlichen Züchtungsexperimente, aka Massentierhaltungsanlagen: horizontaler Gentransfer unter lethalen und nicht-lethalen Bakterien führt zu Infektionen wie EHEC und die Vervielfältigung von Grippeviren führt bei viel und einfach zur Verfügung gestellten Wirten (=viele Tiere auf einem Haufen) zu einer beschleunigten Auslese, bei der eben auch einmal was Gefährliches herauskommen kann. Ich befürchte wir hatten bislang relativ viel Glück. Mit einer Ideologisierung komme ich gegen mich allerdings auch nicht durch, weswegen ich mich als 6/7-Veganer bezeichne. Ich mag auch wegen Vitamin B12, Carnitin und Carnosin nicht immer auf Pillen zurückgreifen. Letztlich gibt es noch die Frage noch sozialer Kompatibilität und ein wenig Lebenslust. Dennoch: seit ich mich überwiegend Vegan ernähre fühle ich mich insgesamt besser.

    Danke für deinen Artikel und die Buchvorstellung!
    Ich werde da mal reinschauen!

    LG
    Frank

    1. Hallo Frank, danke für den Tipp. Ich werde mal bei Michael Gregors Seite vorbeischauen. Ich habe mal geschafft, mich für ein halbes Jahr vegetarisch zu ernähren. Mir ging es damit auch spürbar besser. Es ist erstaunlich, welche Auswirkung Ernährung auf unseren Körper hat, obwohl es gleichzeitig ja auf der Hand liegt. Ich möchte auch möglichst undogmatisch an die Sache herangehen. Die Autorin des Buches hatte mir erzählt, dass sie es genauso wie ich öfters versucht hatte. Als sie schließlich den vegetarischen Schritt ausgelassen hat und direkt auf vegan umgestiegen ist, ist ihr das letztendlich gelungen. Das fand ich sehr interessant. Vielleicht probiere ich das mal aus. Liebe Grüße, Huong

  2. Hallo Huong,

    wir haben uns am Sonntag in Essen persönlich kennengelernt. Jetzt habe ich auch Deinen blog entdeckt.
    Zum Thema Vegan oder vegetarisch essen könnte ich auch seitenlang was schreiben. Nur soviel dazu: ich habe noch nie in meinem Leben freiwillig Fleisch oder Wurst gegessen. Schon als ganz kleines Kind habe ich dies abgelehnt. Meine Eltern haben das akzeptiert. Daher weiß ich überhaupt nicht, wie z.B. Gulasch, Rouladen oder Frikadellen schmecken. An Schnitzel und Hähnchen habe ich noch vage Erinnerungen. Für mich einfach nur fies….Aus genau diesem Grund bin ich auch nicht bereit, als Ersatz Soja oder Tofu zu essen, weil es vielleicht wie Fleisch schmecken könnte oder so aussieht. Meine Kinder und Jugendzeit habe ich dann als sogenannter „Puddingvegetarier“ gelebt. Seit Anfang der 80er Jahre bin ich durch Zufall auf die Vollwertkost gekommen; und dabei geblieben. Das Kernstück in der Vollwertkost ist der sogenannte Frischkornbrei und die Frischkost. Ich lebejetzt seit gut 35 Jahren so. Hat sich also bestens bewährt. Ich war noch nie krank. Vor 2 Jahren hatte ich die Möglichkeit an einem Sportcheck teilnehmen zu können. Herz, Kreislauf, Belastung EKG +Blutwerte wurden untersucht. Die Werte hätten nicht besser sein können. Weder Vitamin B12 noch Eisenmangel.
    Auf reines veganes Essen werde ich mich nicht umstellen.
    Manche tierische Produkte wie Butter, Sahne, Milch, Joghurt halte ich durchaus für sinnvoll und in Ordnung. Außerdem kaufe ich nur Produkte, die Bio oder artgerechte Tierhaltung versprechen.
    L.g. Bärbel

    1. Liebe Bärbel, wie schön, dass du mich auf meinem Blog besuchst. Ich habe als Kind nie hinterfragt was wir da eigentlich essen. Es ist so schwer, Gewohnheiten zu überwinden. Da hast du es zum Glück besser. Ich werde mich mal über die Vollwertkost erkundigen. Danke für den Tipp. Butter, Sahne, Milch und Joghurt kaufen wir auch nur im Bioladen. Hoffentlich bis zum nächsten Stammtisch und liebe Grüße, Huong

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