Kleiderrausch beim Kleidertausch

Ich bin etwas zu früh dran, als ich das Umweltzentrum in der Alsenstraße erreiche. Mit dem Alsenwohnzimmer gleich um die Ecke zählt es zu einem der Haupttreffpunkte der Bochumer Alternativszene. Vor der Tür stehen mit Kleiderstangen und Kleidersäcken bepackt auch schon die ersten ehrenamtlichen Greenpeace Aktivisten, die die Kleidertauschparty organisiert haben.

Zehn Kleidungsstücke zum Tausch gegen?

Da ich schon mal da bin, packe ich einfach mit an. Wir rücken Tische und Kleiderstangen zurecht und bestücken sie mit den mitgebrachten Kleidungsstücken. Auch meine Sachen sortiere ich ein. Dafür habe ich gestern eigens meine Reisetasche vom Dachboden geholt. Wann immer ich etwas Neues brauche, schaue ich zuerst hier nach. Sie sind sozusagen meine 2. Wahl. Daher fällt es mir leicht, zehn Kleidungsstücke – so hoch ist die gesetzte Obergrenze – zum Tausch mitzunehmen. Während ich sie einsortiere, frage ich mich, ob jemand wohl daran gefallen finden würde? Gleichzeitig entdecke ich die ersten Sachen, die ich nachher mal anprobieren möchte. Was dem einen nicht gefällt, gilt zum Glück nicht für alle. So funktioniert Tauschen doch prima.

Mein Jagdinstinkt ist geweckt

So langsam treffen auch die ersten Tauschwilligen ein. Von Jung bis Alt ist alles dabei. Wer nichts von Altkleiderkontainern und anderen zwielichten Kleidersammelstellen hält, kommt. Erfreulich ist, dass alle ihre Sachen nicht einfach nur loswerden wollen. Das wäre in unserer heutigen Fast Fashionära auch nicht verwunderlich gewesen. Aber nein, die meisten sind neugierig, gehen umher und stöbern. 

Auch ich begebe mich nun auf die Jagd und ertappe mich dabei, wie ich mit wachsamen Augen um die Tische schleiche. Ganz wie in alten Konsumrauschzeiten, nur dass ich heute nichts bezahlen muss. Es macht Spaß, denn die Sachen sind schön. Manche haben sogar noch ein Etikett. Das müssen wohl klassische Fehlkäufe gewesen sein. Ich entdecke auch einige Markensachen. Das meiste ist in einem sehr guten Zustand, sodass man sich tatsächlich fragt, warum sich die Menschen davon trennen. Ich probiere einpaar Sachen an und nehme mit großer Freude auch etwas mit. Als ich eine Frau beobachte, die glücklich ein Oberteil von mir mitnimmt, treibt es auch mir ein Lächeln ins Gesicht.

Stetig kommen neue Partygäste vorbei und bringen Kleidung. Man kann hier also sehr lange verweilen und immer wieder Neues für sich entdecken. Berieselt werden wir dabei von weihnachtlicher Musik im Hintergrund. Es ist einfach gemütlich und nett. Zwischendurch plaudere ich einwenig mit den Greenpeace Aktivisten und fühle mich unter ihrer Gesellschaft pudelwohl.

Vielen Dank an das Greenpeaceteam Bochum für die tolle Organisation

Glücksgefühle wie beim Shoppen, nur besser

Während ich meine Beute einstecke – beim ersten Mal fühlt sich das komisch an, so ohne Bezahlen – stellt sich bei mir  das gleiche Glücksgefühl wie damals beim Shoppen ein. Nur viel besser, denn: Das Ganze kostet nichts und ich habe meinen Kleiderschrank vorher erleichtert. 10 Kleidungsstücke habe ich gegen 4 Neue getauscht. Eine gute Minimalistenquote oder?

Das ist Shoppen ohne schlechtes Gewissen sozusagen. Denn ich beanspruche keine neuen Ressourcen, sondern nehme das was da ist. Ich beute niemanden aus, muss mir also überhaupt keine ethischen Gedanken machen. Geben und Nehmen ist hier so herrlich einfach: Kein Punktsystem, kein Bezahlsystem. Zukünftig wird dies meine erste Adresse für Kleidung sein. Denn einfacher geht es nicht. Selbst Flohmärkte, Second Hand Shops oder online Kleinanzeigenhändler können damit nicht mithalten. In dem Moment wünsche ich mir fast, es würde überhaupt kein Geld mehr geben.

Was passiert mit den Sachen die übrig bleiben?

Mitnehmen darf jeder so viel wie er möchte. Gar nichts mitnehmen ist auch erlaubt. Und nichts mitbringen und dafür etwas mitnehmen auch. Die meisten lassen aber mehr Sachen da. Was passiert mit diesen Sachen? Magda von Greenpeace Bochum erklärt mir, dass alles, was übrig bleibt, an Obdachlose und soziale Einrichtungen verteilt wird. Eine gute Sache.

Auch Lust auf Kleidertauschparty?

Wenn auch du jetzt Lust bekommen hast, mitzumachen, dann schau mal auf der Facebookseite Kleidertausch.de von Greenpeace vorbei. Hier findest du alle Termine und Veranstaltungsorte für Kleidertauschpartys deutschlandweit. Wenn du einwenig Unterstützung beim Entrümpeln deines Kleiderschrankes brauchst, dann kann ich dir das Buch: „Minimalismus trifft Kleidung. In 4 Wochen zum Kleiderschrank voller Lieblingsstücke“ von Pia Mester empfehlen. Auch in der Bochumer Alsenstrasse wird es wohl wieder eine Kleidertauschparty geben. Ich freue mich schon jetzt darauf.

 

Am Ende des Tages teile ich meine neuen Errungenschaften in meiner Bestefreundinnen Whatsapp Gruppe. Wohlgemerkt ist keine von ihnen Minimalistin. Doch alle sind begeistert und wollen beim nächsten Mal unbedingt dabei sein. Hast du auch schon mal an einer Kleidertauschparty teilgenommen? Wie sind deine Erfahrungen? 

8 thoughts on “Kleiderrausch beim Kleidertausch

  1. Hallo Huong,
    ich habe seit ein paar Tagen Ihre Seite durch gestöbert und bin begeistert:-)
    Seit ungefähr einem Jahr trennen mein Mann, meine kleine Tochter und ich uns von unserem Krempel. Es ist sowas von befreiend:-) Tut der Seele richtig gut! Bin ein absoluter Konmari Fan, aber leider manchmal doch zu schwach, wenn es um Dinge geht die sooo teuer waren:-(
    Finde das mit der Kleiderparty echt toll.
    Werde Ihren Blog weiter verfolgen und bestimmt noch das ein oder andere Kommentar verfassen:-)
    Schönen restlichen Advent…
    Liebe Grüße Jessica

    1. Liebe Jessica, vielen lieben Dank für deinen Kommentar – ich hoffe das du ist ok. Ich kann sehr gut nach empfinden, wie es dir beim Entrümpeln geht. So ging es mir nämlich auch. Vieles versuche ich über Ebay Kleinanzeigen loszuwerden, was sehr gut klappt. Von dem Geld kaufe ich mir dann nur Dinge, die ich wirklich brauche. Dann ist der Trennungsschmerz auch nicht so groß. Ich freue mich über deinen Besuch und auf deine Kommentare. Viel Erfolg beim Entrümpeln. Ich glaube, dass dir das gut gelingt. Liebe Grüße Huong

  2. Hallo Huong,

    schöner Artikel mit einem besonders schönen Satz („Glücksgefühle wie beim Shoppen, nur besser“) :-)

    Ich war hier in Nürnberg schon mehrmals beim Kleidertausch. Leider gabs für Männer wenig Auswahl, schon gar nicht für einen 1,90-Meter-Mann. Bin aber meine aussortierten Klamotten los geworden, was auch passt, da weniger ja mehr ist ;-)

    Einfach bewusste Grüße

    Christof

    1. Hallo lieber Christof, auch in Bochum gab es nur einen Tisch für Herrenbekleidung ? Aber ich sehe es so wie du: letztendlich war ich auch froh, dass ich mehr Sachen losgeworden bin als ich mitgenommen habe. Vielleicht bin ich sogar irgendwann soweit, dass ich nur noch etwas mitnehme ? Ich kann mir gar nicht vorstellen dass du ebenfalls noch Sachen abzugeben hast. Ist denn Kleidertausch für dich trotzdem eine Alternative um an Kleidung zu kommen? Für mich auf jeden Fall, da meine Erfahrungen so positiv waren. Vielen Dank für das Teilen des Artikels. Es freut mich sehr, dass du mit liest. Einfach bewusste Grüße zurück, Huong

  3. Hallo Huong
    Super, der Beitrag gefällt mir sehr.
    Ich war gerade erst zu meiner ersten Tauschparty bei mir in Dortmund. Hat mir sehr gut gefallen.
    Aber die letzte Hemmschwelle mir selber was mitzunehmen habe ich noch nicht überwunden.
    Ich werde aber wieder hingehen. Vielleicht klappt es ja. Dein Beitrag ermutigt jedenfalls.

    1. Liebe Bärbel, wie schön, von dir zu lesen. Ich kann gut verstehen, was du meinst. Ich fand es auch komisch, einfach so etwas einzustecken. Aber nach einem Gespräch mit einer Greenpeace Ehrenamtlichen, fühle ich mich dabei besser. Sie meinte, dass hinterher einiges übrig geblieben ist. Ich werde wahrscheinlich auch öfters hingehen. Ich finde das Tauschprinzip einfach toll. Schreib mir doch gern, ob du dich beim nächsten Mal getraut hast und wie das für dich war. Liebe Grüße, Huong.

  4. Hallo Huong,

    auch mich hast du mit der „Kleidertauschaktion“ begeistert.
    Morgen (04.02.2018) findet eine Kleidertauschbörse in Essen statt.
    Leider sind wir morgen anderweitig verplant.

    Am 10.02.2018 findet ebenfalls in Essen eine Kleidertauschparty statt zu der ich auf jeden Fall gehen werde.
    Vielleicht sieht man sich ja dort?

    Ich verfolge deinen Blog schon fast seit Anfang an und lasse mich durch deine hilfreichen Tipps bereichern.

  5. Hallo Huong,

    bei einer Kleidertauschparty war ich noch nicht, obwohl es sich sehr interessant anhört, aber hier in der Nähe gibt es sowas wohl gar nicht…
    Ich möchte dir aber gern erzählen, wie wir es in unserer Familie und unserem Freundeskreis machen.
    Wir machen immer private Versteigerungen. Wir treffen uns alle zusammen zum Kaffeeklatsch oder Grillnachmittag, und jeder bringt mit, was er zu Hause aussortiert hat – Kleidung, Hausrat, Elektronik, Spielzeug, usw. Dann kann derjenige, dem der Gegenstand gehört, einen Anfangspreis nennen und die anderen, die Interesse an dem guten Stück haben, können so hoch bieten, wie sie es für angemessen halten. Der höchste Bieter bekommt das Teil zu dem Preis, den er geboten hat.
    Es ist jedes Mal ein Riesenspaß! Man kann tolle Schnäppchen ersteigern, sein überflüssiges Zeug loswerden, und ein schöner Nachmittag mit viel Lachen und Quatschen ist es allemal. Unsere Gruppe wird immer größer, da jeder interessierte Neulinge mitbringt.
    Vielleicht ist das eine Anregung für alle, bei denen es auch keine Tauschparties in der Nähe gibt.

    Liebe Grüße
    Steffi

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