Zürich, Hawaii, Tokio – wohnen, ohne sesshaft zu sein

Für einige Tage besuche ich meine Freundin Silke in Zürich. Seit einigen Jahren lebt sie dort mit ihrem Mann. Als Geowissenschaftler haben sie beide schon einige Destinationen hinter sich, wie zum Beispiel Hawaii oder Tokio. Wahrscheinlich wird auch Zürich nicht ihre letzte Station sein. Doch wie richtet man sich ein, wenn man nicht wirklich sesshaft ist?  

((*Beitrag enthält Werbelinks, unbezahlt))

Wohnen im Zürcher Loft

Wir erreichen die Wohnung direkt über den Fahrstuhl. Bereits beim Eintreten spüre ich, dass es eine ganz außergewöhnliche Wohnung ist. Sie zieht sich über zwei Etagen und ist an den Dachschrägen und teilweise auch an den Wänden mit Holz verkleidet. Es versprüht eine gemütliche und natürliche Atmosphäre. Als Silke mir ein Glas mit Leitungswasser anbietet, spüre ich die Innigkeit zwischen uns, obwohl wir uns nur selten sehen. Es ist schön. Dankend nehme ich an und bestehe gleichzeitig auf eine Führung durch die Wohnung. Ich bin neugierig.

 

Charakteristisch ist das offene Wohnkonzept. Kochen, Essen und Wohnen Verschmelzen ineinander und tun es wiederum nicht.

Man kann also gut zusammen alleine sein. Oder auch ganz nah beieinander.

Möbel, Kleidung, Geschirr – fast alles ist Second Hand

So haben wir das auf Hawaii auch gemacht sagt Silke. Vor jedem Umzug verkaufen wir das meiste durch einen Wohnungsflohmarkt und verschenken den Rest an soziale Einrichtungen. Wir hängen nicht mehr wirklich an den Dingen. Mit allem was man loslässt schafft man auch Platz für Neues. Ich bin dann immer ganz gespannt, was für schöne Dinge ich finden werde. Nur einige Erinnerungsstücke oder auch Gebrauchsgegenstände, die qualitativ hochwertig und gut transportabel sind, behalten wir. Zum Beispiel hat mich mein Besteck seit meinem Auszug von Zuhause auf allen Umzügen begleitet erzählt sie.

Hier in Zürich besitzen sie kein Auto, da der öffentliche Verkehr sehr dicht vernetzt ist. Auf meine Frage hin, wie sie all die Möbel transportiert haben, sagt sie, dass sie sich dafür einen Transporter ausgeliehen haben. Es war zwar eine Herausforderung die verschiedenen Abholorte zu verschiedenen Zeiten an einem einzigen Tag zu koordinieren. Aber am Ende hat alles gut geklappt. Und wir haben es sogar noch geschafft einen Zwischenstopp bei Ikea einzulegen. Neu kaufen wir nur das, was wir benötigen, aber gebraucht nicht leicht finden – dabei spielt auch der zeitliche Aufwand eine grosse Rolle. Ganz selten ist aber auch mal etwas dabei, das uns einfach nur gefällt. Silke und ihr Mann sind in ihren Wertvorstellungen alles andere als dogmatisch. Sie tun das, was sich für sie gut anfühlt.

Der Wohnbereich

Mein Lieblingsplatz in der Wohnung: Die Sitzecke am Kamin. Kein Fernseher, der alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und ein perfekter Abstand zur gegenüberliegenden Couch, um sich unangestrengt miteinander zu unterhalten. Es ist der schönste Platz, um Zusammenzusein.

 

Auch sonst gibt es viele schöne Sitzgelegenheiten in der Wohnung, wie zum Beispiel der Ohrensessel neben dem Bücherregal. Es war der einzige Spontankauf gewesen, den wir getätigt haben. Eigentlich hätten wir ihn nicht gebraucht sagt sie. Doch mir gefällt`s.

 

Mit einfachen Mitteln wie einer Matratze und einer schön gemusterten Decke hat sie einen Liegeplatz am Fenster kreiert, der zum Verweilen einlädt. Mehr scheint es gar nicht zu brauchen, um einen gemütlichen Platz zu schaffen.

 

Leben und Sein – darauf ist die Wohnungseinrichtung abgestimmt. Es gefällt mir wahnsinnig gut. Denn so fühle ich mich auch während der Tage, die ich hier verbringe. Ich schreibe, ich lese, ich denke. Diese neue Umgebung hat eine enorm kreative Wirkung auf mich. Wahrscheinlich liegt es daran, dass diese Wohnung alles andere als geradlinig ist.

Die Küche

Eine Küche gehört in der Schweiz zur Standardausstattung. Man muss sich als Mieter also nicht selbst darum kümmern. Sehr minimalistisch finde ich. Denn eine neue Küche zu planen, einbauen zu lassen und am Ende wieder loszuwerden ist mit viel Arbeit verbunden. Das meiste Inventar aus der Küche haben sie in einer Flohmarkthalle erworben. Zwar benötigen sie zu zweit nicht so viel Geschirr, doch es ist ihnen wichtig, die Spülmaschine zu füllen und: natürlich für Gäste. Beim nächsten Umzug verkaufen oder verschenken sie es einfach wieder.

Arbeits- und Gästezimmer

Das Gästezimmer ist minimalistisch. Eine Matratze als Schlafgelegenheit, Bettzeug, ein Schreibtisch und eine Verschenkekiste, aus der sich jeder bedienen darf. Auch ich stöbere gern darin und finde sogar einige Sachen, die ich mitnehme. Natürlich immer mit dem Gedanken im Hintergrund, mein Handgepäck nicht zu strapazieren.

Das Schlafzimmer

Das Schlafzimmer befindet sich oben auf der Galerie. Es ist ein riesiger Raum. Inmitten darin befindet sich eine Matratze auf dem Boden. Ein Bett brauchen sie nicht. Bereits auf Hawaii haben wir darauf verzichtet. Das ist viel einfacher sagt Silke. Ja klar, eigentlich braucht man nicht wirklich eines ist auch mein Gedanke. Ich merke mal wieder, wie oft wir doch in unseren Konsumentscheidungen von gängigen Lebensvorstellungen geprägt sind. Es ist gar nicht so leicht, etwas zu hinterfragen, was für uns selbstverständlich ist.

Auch Kleiderschränke findet man hier nicht vor. Silke und ihr Mann haben jeweils eine Kleiderstange und zusätzlich eine Kommode. Ihre Garderobe ist überschaubar. Daher ist es nicht schwer, Ordnung zu halten. Auch das reicht ihnen vollkommen aus.

 

Hier oben steht ein weiterer Schreibtisch, an dem sie arbeiten. Der Raum bietet so viel Platz, dass die wenigen Dinge fast schon darin zu verschwinden scheinen. Doch die holzverkleideten Dachschrägen füllen ihn wiederum mit Gemütlichkeit.

Weniger Dinge = mehr Platz zum Leben und sein

Das Badezimmer

Im Bad finde ich kaum Plastik vor. Sie verwenden feste Seife  und ein festes Shampoo, Kokosnussöl für das Gesicht und einen Holzkamm. Festes Shampoo findest du zum Beispiel bei Lush oder bei Sauberkunst. Ich verwende seit Jahren Allepposeife für Haut und Haar. Die gibt es entweder im Biomarkt, auf dem Weihnachtsmarkt oder hier* bei Amazon. Eine schöne Idee sind die schönen Schälchen, die Silke ebenfalls Second Hand erworben hat.

Eine Terrasse mit Blick auf die Alpen

Die Terrasse ist mit vielen Pflanzen versehen. Diese kleine grüne Oase ist ein wunderschöner Blickfang. Wir ernten Tomaten und frischen Pflücksalat für das Abendessen und genießen dabei den schönen Ausblick auf die schneebedeckten Berge der Alpen. Das war damals ein wichtiges Kriterium bei unserer Wohnungswahl. Es steigert das Wohlbefinden enorm sagt Silke. Dem kann ich nur zustimmen.

Bei der Vorstellung, in ein anderes Land umzuziehen, muss ich gleich an Speditionen und einen riesigen Organisationsaufwand denken. Doch bei Silke klingt alles so einfach. Nie habe ich sie bei ihren Umzügen über Stress klagen hören. So ist es wohl, wenn man nicht all zu sehr an seinen Dingen hängt.

Silke und Maxim bei einem ihrer Besuche auf Hawaii

 

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