Warum viel nicht immer glücklich macht

Glück. Sicherlich hast du dir auch schon mal gedacht: Wenn ich dieses oder jenes Besitze, wenn ich mehr verdiene oder wenn ich den nächsten Karrieresprung erreicht habe, wird mich das glücklich machen. Jeder kennt das schöne Gefühl, etwas Neues erworben oder Erfolg gehabt zu haben.

Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Easterlin fand in seinen Studien heraus, dass Glück und Wohlstand bis zu einem gewissen Grad miteinander zusammenhängen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grad. Denn obwohl sich das Pro-Kopf-Einkommen der Industriestaaten in den letzten 50 Jahren mehr als verdoppelt hat und wir uns mehr Luxusgüter leisten können, mehr Möglichkeiten haben, unser Leben zu gestalten und eine höhere Lebenserwartung haben, sind wir nicht viel glücklicher geworden.

Bezeichnet wurde dieses Phänomen als Wohlstandsparadox

Das ganze ist deshalb paradox weil wir uns mit mehr Wohlstand auch mehr Wünsche erfüllen können und demnach glücklicher sein müssten. Ab einer gewissen Einkommenshöhe sind wir das aber nicht mehr. Es existiert also eine Schwelle, an der Wohlstand und Glück nicht mehr in gleichem Maß miteinander korrelieren. Diese scheinen wir durch unseren enormen Wohlstand bereits weit übertreten zu haben.

Wir leben im Überfluss

Warum sollte ein Leben im Überfluss schlecht sein? Von allem mehr als genug zu haben, seine Bedürfnisse und Wünsche ständig befriedigen zu können ist doch toll? Und wer hat nicht schon einmal von einem Lottogewinn geträumt? Ich gebe zu, dass ich mir das auch öfters gewünscht habe. Dann könnte ich nur noch das tun, worauf ich Lust habe. Ich würde ganz viel reisen, zum Beispiel auf die Seychellen. Vor allem hätte ich keine existenziellen Sorgen mehr und müsste mir keine Gedanken über die Zukunft machen.

All das soll etwa nicht glücklich machen? Woran liegt das?

Als einen Grund nennen Forscher, dass wir uns an gute Lebensbedingungen gewöhnen. Vieles was wir bereits besitzen wird selbstverständlich. So flacht zum Beispiel die Freude über eine Gehaltserhöhung irgendwann ab. Selbst das Glück der Lottomillionäre soll nicht länger als 1 Jahr andauern bis wieder der Normalzustand eintritt. Meine Freude, als Lottomillionärin auf die Seychellen zu fliegen, würde demnach irgendwann nichts besonderes mehr sein. Wenn wir also mehr als genug haben, verliert das, was wir besitzen, an Wert. Und wir brauchen schneller wieder etwas Neues, damit wir uns gut fühlen. So zieht die Erfüllung eines Wunsches auch immer neue Wünsche nach sich. Immer getrieben von der Vorstellung wenn ich dieses oder jenes habe, bin ich glücklicher. Damit entsteht ein dauerhafter Zustand der Unzufriedenheit, weil das Glücksgefühl immer nur von kurzer Dauer ist.

Ein weiterer Grund, ist, dass wir glücklich sind, wenn wir im Vergleich zu anderen mehr besitzen. Demnach kann die Freude über eine Gehaltserhöhung umschlagen, sobald man erfährt, dass der Kollege eine noch größere Gehaltserhöhung bekommen hat. Oder die Freude über das neue Auto ist getrübt, wenn der Nachbar plötzlich ein viel teureres Auto in der Einfahrt stehen hat. Das streben nach Anerkennung durch Konsumgüter kann in einen regelrechten Wettbewerb ausarten.

Wenn Konsum nicht glücklich macht, lohnt es sich nicht, Lebenszeit dafür zu investieren

Oft ist uns gar nicht bewusst, dass es der Konsum ist, der uns von unserem Glück abhält. Denn schließlich wird uns ja ständig vorgelebt, dass Konsum unser Leben besser, schöner und angenehmer macht. Was wir jedoch oft nicht sehen ist, wie viel Arbeit, Energie und Zeit wir dafür investieren müssen. Und wie stressig es ist, ständig nach etwas zu streben, ohne jemals irgendwo anzukommen.

Aber du kannst es dir bewusst machen, indem du dich mit deinem Besitz beschäftigst und ihn hinterfragst. Was davon brauchst du wirklich? Was davon macht dich glücklich? Wie viele Dinge besitzt du, die du eigentlich nicht brauchst, für die du aber viel Geld ausgegeben hast? Und wie viel von deiner Lebenszeit hast du letztendlich dafür aufgewendet, um das Geld dafür zu verdienen?

Das ist der Startschuss für deinen minimalistischen Lebensweg.

 

 

 

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